Advent, Advent, die Sonne scheint hart und eisig auf die Stadt. Unten wuselten wir zu zweit auf der verbleibenden Vanvan durch die Gassen St. Paulis. Einen Abstecher zum Fischereihafen, durch die trägen Spaziergängertrauben am Baumwall, im Strom der Sonntagsfahrer entlang der Ost-West-Straße. Bei 50 Sachen war es angenehm und trotz Wollsocken kam jede rote Ampel ganz gelegen. Am Brandshof hingen wir eine knappe Stunde herum zwischen Brezelkäfern und enormen Cadillacs an der Nostalgietankstelle. Davon angefixt wollte Anja wollte nun Dampf sehen. Da keine Dampflok greifbar war, fuhren wir durch den Hafen zum Kraftwerk Moorburg, das dampfte wie ein Weltmeister. Dort draußen schien zwar auch die Sonne, aber auf den langen Etappen, kroch die Kälte tief in die Knochen. Vollgas durch den warmen Elbtunnel und von dort direkt in die Badewanne, lange bevor es dunkel war.
20 Jahre !!!
Sonntag, 27. November 2016
Sonntag, 30. Oktober 2016
Timebox
Der Himmel stimmte überhaupt nicht mit dem Wetterbildschirm überein. Statt grauer Decke: Sonne und immerhin 12 Grad. Kurzentschlossen schmissen wir den faulen Sonntag hin und machten wir uns auf dem Weg. Nichts Großes, Hauptsache ein Bild mit gelbem Baum ist dabei. Ich weiß durch ausgedehnte Forschungen, dass es in der Stadt in Wirklichkeit am gelbsten ist. Es folgte eine innerstädtische Tour, die uns in gänzlich unbekannte Gegenden brachte, wie z.B. das Stadtzentrum von Fuhlsbüttel oder den Ohlsdorfer Friedhof, der ironischerweise ein schöner, lebendiger Park ist, in dem man fahren darf. Einen Draußenkaffee in Barmbek, unaufgeregtes Gleiten über Vierspurige, hinunter bis an die Elbe, die im Gegenlicht glitzerte. Als wir in die Garage zurückkamen, war es gerade mal 16 Uhr, alles fühlte sich normal an. Doch auf dem Nummernschild der Bonnie standen zwei Zahlen: 03-10. Diese Timebox war heute aufgebraucht.
Samstag, 29. Oktober 2016
Testosteron
Samstag, 11 Uhr. Leichte Bewölkung, zäher Verkehr. Ich sitze im Sattel einer dunkelweißen Vulcan S auf Probefahrt. Kleine Hafenrundfahrt, mal Gas stehen lassen. Dann durchs Dickicht nach Eppendorf, Anja zeigen. Alles gut, alles schön, und überhaupt, mal wieder Cruiser fahren. Nur die Testosteronproduktion wird nicht wie erhofft vom Sportvulkan getriggert.
Den Rest des Tages verbrachte ich daher wieder mit der Bonnie. Aus Westen kam ein bissiger Wind, gegen den ich mit langer Unterhose und Wollsocken ankämpfte, bis ich auf unzähligen Umleitungen im gottverdammten Alten Land, hinter quälenden Wohlstandskolonnen, den Lüheanleger erreichte. Tatsächlich waren einige Biker da, und von den 30 Wurstbuden war noch genau eine übrig. Der Wind hatte nicht wie versprochen die Wolkendecke weggeschoben, im Gegenteil. Bevor der Kaffee im Pappbecher gefroren war, machte ich mich auf den Rückweg. Über der Stadt war blauer Himmel, aber außer der Aussicht auf eine warme Badewanne konnte mich inzwischen nichts mehr locken.
Sonntag, 23. Oktober 2016
Pekingente / kalter Hund
Anja war wieder da. Sie hatte Jetlag und sprach wirres Zeug von Pekingenten, aber es nützte nichts. Ich setzte sie trotzdem auf ihre Honda, denn so einen schönen Tag gibt es bestimmt ein halbes Jahr lang nicht wieder. Wir blieben in der Nähe der Stadt, kurvten durch einen goldenen Oktobertrag im Hafengebiet herum, fanden es alles sehr schön hier und freuten uns, dass es noch warm auf der Jacke wurde, wenn man in einem Sonnenstrahl an der Ampel stand. Am Brandshof gibt es eine Nostalgietankstelle für Oldtimer. Die gibt es offenbar seit Jahren, aber uns war sie vollkommen unbekannt, und jetzt ein willkommenes Kleinziel für einen Kalten Hund und Filterkaffee. Zur Feier des Tages fuhr meine ehemalige orange Vulcan vor, von ihrem neuen Besitzer geschmackvoll individualisiert. Noch weit vor der Dämmerung kamen wir nach Hause, parkten die Maschinen in der Garage und zählten die Tage.
Sonntag, 16. Oktober 2016
Wie über der Mongolei
Während Anja in China Gin trank, wartete ich darauf, dass sich der Nebel verzog und den versprochenen goldenen Oktobertag freigab. Nichts passierte. 10 Kilometer südlich hatte das Wetterradar dann aber recht. Aus diffusem weißen Dunst arbeitete die Sonne Wald und Wiese in schönsten Herbstfarben heraus. Auf der B3 rausche ich gedankenversunken durch den Nachmittag. Nachdem ich die für meinen Geschmack zu zahlreichen Familienkutschen hinter mir gelassen hatte, zog die Bonnie ihre Bahn so losgelöst und ungestört wie in etwa ein Airbus über der Mongolei, zumindest kam es mir nach einer Weile so vor. In Soltau saß ich allein bei einem Cappuccino und betrachtete den nicht endenden Strom von Bikes mit Fahrern in Goretex, die nochmal frei bekommen haben. Da mir las losgelöste Gleiten heute sehr lag, fuhr ich noch ein langes, einsames Waldstück auf der B209, dann über Amelinghausen, dann Winsen, dann die Elbe. Hamburg lag nun an der Grenze der Nebelwand und sah sehr beeindruckend aus. Klar wurde es am Schluss kühl, aber ich war froh, nicht wie die Millionen in der Hafencity spazieren gehen zu müssen.
Montag, 3. Oktober 2016
Sonstwo
Am Montag war noch ein Sonntag. Ich war allein unterwegs. Zuerst wollte ich gleich wieder umdrehen, so ungemütlich war es. Ich tastete mich durch Harburg nach Westen. Eine Ecke, die immer wieder so unbekannt wirkt, als sei man sonstwo. Die raue Härte passte zum schroffen Himmel, und mir gefiel das gut. Dahinter lag das Land, und die Wolken machten Platz für perfektes Oktoberlicht. Ich ließ mich von Stelle aus nach Süden treiben, es ging durch schöne Alleen und einsame Landstraßen. Nur einzelne Bäume färbten sich schon, doch das änderte das gesamte Bild. Irgendwie zog es mich über Holm-Seppensen nach Buchholz. Mittten im Stadtzentrum hielt ich vor einem Schnellrestaurant, wie es heute Seltenheitswert hat. Ohne Eile und ganz zufrieden bummelte ich über Harburg und den Hafen zurück nach Hamburg, Es war erst 17 Uhr, und die Stadt war voller Spaziergänger mit Sonnenbrillen.
Sonntag, 2. Oktober 2016
Umgebucht
Die großen Brötchen zum Einheitswochenende hatten wir abgesagt. Statt im Nieselregen durch den Harz zu fahren, buchten wir eine anspruchslose Tagestour in den Norden. Etwa in Höhe Bad Bramstedt kam mir dieses Mittelgebirge in der Nähe von Kiel in den Sinn. Gerade als ich zwischen Neumünster und Rendsburg die Ödnis der Strecke kaum noch wegzudiskutieren konnte, stellten wir fest, dass wir schon ganz in der Nähe waren. Tatsächlich, zwischen Nortorf und Westensee lag der Gebirgszug prächtig in der Sonne. Beim Versuch, eine Runde über kringelige Bergstraßen zu drehen, relativierte sich alles hin zu belanglosen Hügeln und Knicks. Die Gegend ist schön, aber wenn man Kaffeedurst hat, wird es problematisch. Vor allem muss man höllisch aufpassen, nicht zu nah an Kiel ranzukommen, denn wer will das schon? Es war klar, wir mussten zurück zur Kanalmetropole Rendsburg. Am umwerfend tristen Marktplatz saßen wir mit mittlerem Cappuccino und überraschend saftigen Mandelhörnchen. Aber wir waren uns einig, der Nobelpreis wird hier nicht vergeben. Bislang konnte man den Tag noch als Spätsommer verargumentieren. Aber auf der Rückfahrt auf z.T. bezaubernden Alleen nach Aukrug kamen die ersten Schleierschauer. Dann richtige Schauer, Kälte, klamme Finger, Wasser im Kragen usw.. Anja neigte zu Fäkalausdrücken, wenn wir an einer roten Ampel die Lage besprachen. Am Ende war alles halb so wild, und wir waren froh, als die rettende Stadt uns herzlich aufnahm und uns wärmte.
Dienstag, 27. September 2016
Ist nicht schlimm.
Nach Feierabend hat man inzwischen gerade noch eine Dreiviertelstunde Zeit, dann wird es dunkel. Bei Fahrten z.B. im Hafengebiet sieht die Sonne dabei spektakulär aus, und selbst danach ist es noch mild. Sogar nachts konnte ich mir manchen Umweg durchs Neonlicht nicht verkneifen, den Strom warmer Luft genießend ließ die Bonnie über die leergefegten Hauptstraßen ziehen. Ist gar nicht so schlimm alles.
Sonntag, 25. September 2016
Badehose
Im September fangen die Leute an, Pudelmützen zu tragen und beim Penny gibt es Christstollen. Wir packten die Badehose ein, denn es war ein Sommersonntag mit allem Drum und Dran. Mal eine andere Strecke an die Ostsee fahren, dachten wir und gurkten mit der Welt zufrieden durch Bergedorf, wurden auf dem Weg nach Schwarzenbek dann aber doch wieder nach Geesthacht umgeleitet. Alles easy. In Ratzeburg tranken wir Kaffee am tristen Marktplatz und stellten uns vor, als Tourist würden wir das jetzt unheimlich authentisch finden. Durch Mecklenburg schob uns ein warmer Südwind bis an den wilden Strand von Rosenhagen, unserer Neuentdeckung. Die Sonne brutzelte wie in besten Zeiten, das Wasser war arschkalt, und der Nachmittag zog gutmütig dahin. Wir fuhren bei Schlutup über die Grenze. Lübeck war verlockend an diesem Tag, und so lange her. In der Mühlenstraße war ein Tisch beim Griechen frei, und die Stadt wirkte lebendig und gut gelaunt. Zurück nahmen wir ein Stück Autobahn, wegen der frühen Dämmerung. Zum Schluss waren wir aber wieder auf der Landstraße. Bargteheide, Bergstedt, dann schon vierspurig die unendlichen Ausläufer der Stadt im Abendlicht. Gerne wieder.
Sonntag, 18. September 2016
Improvisation
Beide dachten, warum nicht mal wieder in Richtung Elbuferstraße. Die Wetterkarte sagte das auch. Man musste Lauenburg hinter sich lassen, da waren die Wolken weg und eine angenehme Spätsommerpulloverwärme begleutete uns durch die Elbauen. Als wir in Dömitz ankamen, waren erst 2 Stunden vergangen und wir hatten kein einziges Mal den Gang rausgenommen. Da Martins Café zu war, schauten wir uns den blöden Bikertreff am Schnöselhafen zumindest mal an. Schnell wieder weiter, es gab ja noch das skurrile Café in Hitzacker. Dachten wir, denn nach einem lockeren Törn über buckelige Umleitungen standen wir dort vor einem verlassenen Haus. Von Göhrde aus gibt es eine unentdeckte Waldstraße Richtung Bad Bevensen. Sie war herrlich, und ließ und allein mit unseren Maschinen und dem Fahrtwind. Dass wir schon weit über 200 Kilometer drauf hatten, merkten wir erst, als die gelben Tanksäulen im Tacho nervös aufleuchteten. Es ging dann so weiter, indem wir eine Strecke improvisierten, unten um Lüneburg vorbei, durch weite grüne Landschaften im stillen Nordostquadranten Niedersachsens, der immer noch eine schöne Straße aus dem Hut zaubert, wenn man nicht genau weiß wo es langgeht. Über Winsen und Over kamen wir zurück, mit dem lange nicht dagewesen Gefühl durchgefrorenen Knochen.
Samstag, 17. September 2016
Marschland
Eine zermürbende Schuhgeschäft-Odyssee lag hinter, und ein halber Nachmittag mit der Bonnie vor mir. Es reichte, dahinzurollen, die Strecke war gar nicht entscheidend. Haseldorfer Marsch, warum nicht. Uetersen, Elmshorn, Glückstadt. Laues Lüftchen, eine handgetöpferte Cola, nix Besonderes. Und doch das war es, was den Tag machte.
Mittwoch, 14. September 2016
Weiche Landung
Wir kehrten zurück in ein Hamburg, das heiß war und voller Leben. Vom Flugzeug aus setzen wir uns direkt an einen Tisch beim Spanier und bestellten Tapas. Danach war noch ein Tag frei, den man für dämliche praktische Dinge hätte nutzen können. Stattdessen holten wir die Honda und die Triumph aus der Garage und fuhren ans Meer. Die Maschinen fühlten sich leicht und drahtig an, die Autobahn nach Lübeck war frei und der Luftstrom herrlich. Eine Stunde später lagen wir am Brodtener Ufer in der Sonne, an den Steinen zwischen Hundestrand und FKK-Zone. Ein Ort, an dem alles begonnen hatte, und der nun endlich wieder ein reines Vergnügen war. Wir fuhren über Warnsdorf und Ratekau zurück, auch, um in Schwartau am Hähnchen-Eck zufällig vorbeizukommen wenn der Hunger kommt. Der September liefert schon am frühen Abend das beste Licht, auf den Landstraßen zwischen Bad Oldesloe, Lasbek, Ahrensburg im Streiflicht durch flirrende Knicks und Wälder und Felder, auf denen sich ein erster Grünschimmer bildet. Es war ein normaler Mittwoch, der sich anfühlte wie ein satter Sommersonntag. Weicher kann eine Landung nicht sein.
Dienstag, 13. September 2016
Bom Dia 2016
Das erste, was einem in Portugal auffällt, ist das Licht. Alles wirkt, als sei der "Verbessern-Filter" schon drauf. Wir hatten 10 Tage und eine viel zu dicke Africa Twin, mit der wir durch vergessene Täler im Hinterland Portugals kurvten, überraschende Fjordküsten Galiziens und sensationelle Bergwelten der Picos De Europa sahen, über weite, leere Highways glitten, und schließlich ganz entspannt am Strand lagen und die Brandung bewunderten. Zwischendurch, man kann es gar nicht mehr zählen, hielten wir an unbedeutenden Straßencafés und bestellten Caffe con Leche, oder Tostas Mixta. Ausgangs- und Schlusspunkt war Porto, eine lässige Lieblingsstadt mit Ecken, die uns reinliefen wie der Vinho Tinto, der nach wie vor nur einen Euro kostet.
Der ausführliche Bericht folgt ASAPst auf dieser Welle.
Sonntag, 28. August 2016
Dann sind wir Helden
Aus versehen war ich am Samstag um 7 Uhr aufgestanden. Daher waren wir etwas schläfrig, als wir uns über Bramfeld Richtung Bargteheide aus der Stadt herausarbeiteten. Zunächst ohne große Ambitionen rollten wir routiniert auf altbekannten Wegen nach Strukdorf. Wir gaben dort etwas ab, bekamen einen Kaffee und fuhren weiter. Die Hitzewelle hatte sich südlich von Hamburg totgelaufen. Hier, in der Ostholsteiner Schweiz, blies eine angenehme Frische vom Meer über das Land, das glattrasiert und hellbraun zwischen den Knicks lag, und dabei irgendwie gut aussah. Wir waren auf dem Weg nach Fehmarn, dort waren es locker noch ein paar Grad weniger, aber immer noch genug für eine Art Harleydays für Badetouristen. Tonnenweise American Steel drängte sich in der Altstadt, Starrrahmen hoppelten über Kopfsteinpflaster und Reifen qualmten. Die Ruhe hinterher, am Strand von Niobe, genossen wir eine gute Stunde lang. Dann ging es zurück durch den frühen Abend über das prächtig inszenierte Land, bis an den Grill in Strukdorf, wo es immer eine Menge zu erzählen gibt, meist Benzin.
Es ist klassisch, und mein stiller Genuss, am Sonntagmorgen müde, und vollkommen allein über die Landstraßen zum Bäcker zu fahren, wenn alle noch schlafen. Beim Frühstück arbeiteten wir eine Strategie aus, die uns die anrückenden Schauerzellen vom Leib halten sollte. Erst ging es über Lübeck an den Strand von McPom, ganz nah am Priwall, in Sichtweite von Travemünde. Danach nach Grevesmühlen zu Jannys Eis. Im Hinterland war die Luft heiß und zähflüssig. Wir mussten uns östlich halten und nach Süden vorrücken. Während wir im Westen die dicker werdende, diffuse Masse am Himmel beobachteten, leuchtete uns noch die Sonne auf die unbekannte, hundertjährige Verbindungsstraße von Gadebusch über das Tessin in Richtung Wittenburg. Hier ist Mecklenburg noch so wie in der Anfangszeit. Am Ende war die graue Suppe so nah, und das Donnern so laut, dass wir ohne große Diskussion auf eine Tankstelle fuhren und es uns erstmal gemütlich machten. Draußen polterte im Nullkommanix Hagel wie Medizinbälle herab und im Radio hörten wir Katastrophenmeldungen. Internet gab es nicht, macht auch keinen Sinn in Wittenburg. Irgendwann musste es aufhören, und auf der Autobahn würden wir schon irgendwie nach Hause kommen. Vorne sah ich nichts, und im Rückspiegel war schwarze Nacht. Eines der Lichter musste wohl Anja sein, dachte ich, und rauschte weiter, auf die helle Stelle am Horizont zu. In Hamburg standen wir tropfend und zufrieden nebeneinander an der Ampel und klopften uns heldenhaft auf die Schulter.
Sonntag, 21. August 2016
Die Vögel
Gut, dass wir so früh unterwegs waren. Durch ein weiteres sinnloses Fahrradrennen waren alle Hauptstraßen der Stadt gesperrt. Über den Hafen schlüpften wir heraus, dann lag vor uns die Heide in einem blendenden Vormittag. Eigentlich wollten wir ganz woanders hin, aber nun waren wir schon mal hier, also fuhren wir nach Soltau zum zweiten Kaffee. Es war immer noch früh genug, um sich Fragen zu stellen. Z.B, warum nicht mal zum Vogelpark Walsrode fahren? (Weltvogelpark, so viel Zeit muss sein). Unter uns: die Piebmätze waren durchweg unterhaltsam bis beeindruckend. Den ersten Regenschauer verbrachten wir unter Büschen bei den Pelikanen, später noch einen bei Bratwurst und Pommes. Nebenbei lernten wir die kleine, aber feine Region im Südwestquadranten des Heidekreuzes kennen, mit sanften Schwüngen und waldigen Wäldern. Muss man sich merken.
Sonntag, 14. August 2016
Ponyhof
Am Sontag war mal nix los. Wir mussten nur warten, bis die dünne Schauerlinie durch war, dann fuhren wir über die B4 nach Norden aus der Stadt raus. Die Bonnie und die Honda schnurrten zufrieden durch den frühlingsfrischen Nachmittag, wir auch. Über Bramstedt, Segeberg gondelten wir durch klare Farben und helles Licht. Die vertraute Landschaft wirkte angemalt, und irgendwie auch zufrieden. Schwere Wolkenwürste, die nach wie vor über das Land zogen, blieben harmlos. Wir erreichten Strukdorf, dort war eine Riesenbaustelle im Wohnzimmer und ein winziger Hund, der alles dominierte. Die Rückfahrt auf entspannten Landstraßen durch sattes Hochsommergrün, das Ankommen in der leeren, phlegmatischen Stadt, durch die man gelassen im Fünften rollt, das alles war ein einziger großer Ponyhof.
Samstag, 6. August 2016
Urlaub nehmen
Sonntag, Ende Juli
Montag zwischen Neubauten
Dienstag in den Urlaub
Vogesentag
Metz
Endlich mal im Saarland
Nord
Autobahn, wir beide auf der Bonnie. Mit Sonne und Rückenwind donnern wir mit 140 Sachen nach Süden. Eine Woche Spontanurlaub lag vor uns, und ab kurz vor Göttingen auch die schöne B 27 bis Fulda. Kilometer verflogen, Deutschland zog schläfrig und leergefegt vorbei. Eine Kaffeepause in drömeliger Vorstadtatmosphäre, den Rest wieder auf der Autobahn bis Darmstadt. Ungewöhnlich entspannt checkten wir am frühen Abend in der Wormser Straße ein uns setzten uns an den gedeckten Tisch.
Montag zwischen Neubauten
Man hätte direkt auf große Fahrt gehen können, aber uns war nach einer gemütlichen Tagestour. Hier gibt es so viele Möglichkeiten, z.B. könnte man in einem einen Schlag nach Süden den Schwarzwald befahren, zumal bei bestem Sommerwetter. Von Heidelberg aus kurvten wir über Land nach Sinsheim und hingen erstmal im Shop des Technikmuseums fest. Aus dem tristen Gewerbegebiet heraus fanden wir eine interessante Strecke Richtung Bretten, dann weiter, aber das ging irgendwann nicht mehr. Denn je näher man Stuttgart kommt, umso dichter folgen die Orte, und der LKW-Verkehr in dieser hyperproduktiven Region lässt keine Landstraßenfahrten zu. Wir orientierten uns um, kamen über BiBi auf dann doch hübschen Nebenstraßen weiter nach Westen und schafften es, viele hundert weißer Neubausiedlungen später, unbeschadet an Heilbronn vorbei nach Bad Wimpfen zu kommen und von dort ein gutes, sommerliches Stück ins Jagsttal einzudringen. Die Rückfahrt ging durchs Neckartal, dort war die Straße leer und groß und geschwungen, und der Nachmittag setze alles gekonnt in Szene. Die verdiente Belohnung war die rauschende Fahrt durch den flirrenden Odenwald. Den hatten wir für uns alleine, und gaben ihn nicht so schnell wieder her.
Dienstag in den Urlaub
Autobahn in der Rheinebene, jetzt im Regen. Aber im Süden sollte es besser sein. War es auch. Wir fuhren auf der französischen Seite, dort ist alles entspannter. In der nähe von Straßburg suchten wir händeringend eine Tankstelle, keine Stunde später aßen wir Quiche Lorraine in Selestat, während die Sachen halbwegs trockneten. Allemagne war zwar am Horizont noch sichtbar (und alles heißt Deutsch), aber wir fühlten uns im Urlaub, bonjour. Im Westen bauten sich im Dunst die Vogesen auf, und nach einer kurzen Fahrt durch Weinberge fanden wir uns in den ungeahnt tristen Vorstädten Colmars wieder. Wir checkten im noch ungeahnt tristeren Ibis Budget ein und freuten uns auf einen Abend im Mittelalterstädchen, dagegen sieht Disneyland alt aus.
Vogesentag
Colmar liegt am Fuß der Vogesen, einem Kleingebirge, dass man geringschätzig als 'gegenüber vom Schwarzwald' abtut. In Wahrheit gibt es astreine, semialpine Kammstraßen über die der Wind pfeift, und die Berge sind hoch und massiv. Bei klarer Sicht hätte man bis ans Ende der Welt sehen können. Einen halben Tag kurvten wir durch die Berge, genossen danach warme, rustikale Täler mit leuchtenden Geranien und wenig Verkehr. Unser Ziel Metz kam dadurch kein Stück näher. Im Gegenteil, wir wählten eine aufwendige, ermüdende Route über einen kleinen, waldigen Pass über den Donon, der schier kein Ende nahm und immer einspuriger wurde. Danach waren wir froh über einen großen, einsamen Highway, der satt und endlos in den Weiten Frankreichs lag und uns mit 120 Sachen durch die Abendsonne nach Metz zog.
Metz
Planmäßig verbrachten wir einen Regentag in der Stadt. Die Bauten sind alt, die Menschen jung. Die meiste Zeit pendelten wir zwischen Warenhäusern, Museen und Cafés. Zum Schluss taten uns die Füße so weh vom Laufen, dass wir es kaum erwarten konnten, endlich wieder auf der Bonnie zu sitzen.
Endlich mal im Saarland
Nördlich von Metz geht es noch ein Stück über weite Felder, dann sind plötzlich die Schilder wieder gelb und man ist im Saarland. In Dillenburg bewunderten wir ein Stahlwerk, dann fuhren wir eine interessante, kleine Route über Berg und Tal, abseits der Bundesstraßen. Die Grenze zwischen Saarland und Pfalz ist fließend. Nach kleinteilig überquerten Bergrücken hielten wir in Idar Oberstein. Alle Klischees wurden erfüllt. Edelsteine bis zum Abwinken und ein in den 70ern installierter Touristencharme. Bis Darmstadt war es nicht weit. Noch ein paar kleinere Waldpässe, dann der Abstieg in die Rheinebene. Das letzte Stück mit Vollgas unter einer anrückenden Gewitterzelle hinweg.
Nord
Den ganzen Samstag verbrachten wir auf der Straße, die längste Zeit davon auf der B 27. Besonders auf dem Stück zwischen Bebra und Eschwege, von der Fulda an die Werra, waren wir vollkommen allein auf den weiten Asphaltschwüngen. Eigentlich hätte die Bonnie in Darmstadt verbleiben sollen, aber einen Tag wie diesen verbringt man nicht im Bus. Daran änderte auch die schwarze Gewitterfront nichts, die wir bei Hildesheim plötzlich vor uns hatten. War es Glück? Nein, Erfahrung und Können, dass uns genau im Richtigen Zeitfenster wieder losfahren ließ. Die Fahrbahn war überall noch nass, doch die Zelle war weg. So kamen wir durch Hannover, Celle, dann in vertrautes Gelände mancher Sonntagsausfahrt. Im Norden hatte ein kalter Wind alles weggeputzt. Zu Hause machten wir erstmal alles zu und fuhren die Tour im Gedanken gleich nochmal.
Sonntag, 24. Juli 2016
Hollywood
Rembert hatte sich angekündigt. Hektisch wurden Motorräder geputzt und Betten frisch bezogen. Dann machten wir uns auf den Weg, um ihn irgendwo an der B195 abzufangen und nach Hamburg zu eskortieren. Wir trafen ihn in Dömitz, und es folgte eine sommerliche Fahrt durch die Elbauen, summende Kiefernwälder mit entspannten Schwüngen durch leeres Land. Die Gegend, die freie Straße und der warme Backstein, wir kannten es schon so lange, doch in den Augen Remberts sah es so herrlich aus, wie es wirklich ist. Wir kamen über die Deichstrecke in die Stadt und hatten noch Energie für eine Hafenrundfahrt, um unseren Gast zu beeindrucken. Das weiche Abendlicht über den Docks war traumhaft inszeniert, und die Köhlbrandbrücke, die sich im Gegenlicht aufbog, das war Hollywood. Nicht ohne Stolz nahmen wir Rembert mit nach Hause und bruten Burger.
Gestern war bei Anjas Honda die Birne durchgebrannt. Statt zu basteln, war es auch okay, einfach die Bonnie zu nehmen, wo sie doch nun mal in der Garage stand. Bis Lauenburg, ach warum nicht gleich bis Boizenburg begleiteten wir Rembert, dann verlor er sich mit der Slim in der Endlosigkeit der B5. Unser Abzweig war gesperrt (wie fast alles im Moment) und wir fanden uns im tiefsten Hinterland McPoms wieder. Auf kleinsten, verträumten Landtraßen bahnten wir uns unseren Weg durch schwere Sommerluft. Es roch nach Ernte, Wald, Wiese. Die Hitze war in allen Dingen, und als wir endlich Grevesmühlen erreichten, war das Eis wohlverdient. Wir fuhren weiter, denn an der Küste gab es einen Streifen von ca. 3,50 m, an dem es angenehm kühl war. Ein, zwei Stunden verbrachten wir in einem interessanten Treibholzarrangement in angenehmer Brise, dann ließen wir die Räder rollen auf der langen, flirrenden Geraden von Schönberg nach Ratzeburg. Die dicke Gewitterzelle, die sich entgegen aller Beteuerungen über der Hamburg platziert hatte, verzog sich rechtzeitig. Wie stellten die knisternden Maschinen ab und gaben uns der unvergleichlich befriedigenden Erschöpfung eines 350 Kilometer langen Sommertages hin.
Sonntag, 17. Juli 2016
Im Westen nichts
Gemäß den Vorgeben der Wetterkarte fuhren wir nach Süden, und mussten im Café in Soltau feststellen, dass zwar die Sonne brannte, wir aber irgendwie ziemlich oft in diesem Heidedreieck unterwegs sind. Was ist eigentlich westlich von hier? Nichts, aber das musste sich erst herausstellen. OK, es gibt lichte Birkenalleen, die über windiges Land führen. Geisterhafte Dörfer, mit akkuraten Rasengrundstücken und Bäumen, die in den Himmel wachsen, weil es normalerweise regnet. Immerhin konnten wir die Cruiser über viele Kilometer laufen lassen, ohne nennenswerte Störung, sieht man von einem verpeilten Rentner an der Tanke in Bremervörde ab. Man kommt am Geestrand in Stade heraus, von hier aus könnte man zum Grünendeich fahren. Taten wir aber nicht, denn irgendwas zog uns nach Hause unter eine trübe Wolkendecke.
Sonntag, 10. Juli 2016
Die letzte Reise
Auf Vanvans zu fahren hat immer den Effekt, dass alles unheimlich leicht wird. Sogar ein Abschied. Denn dies war Anjas letzte Reise auf der orangen Suzuki. Für den Weg nach Wittenberge hatten wir 4 Stunden eingeplant. Geesthacht, Lauenburg und Boizenburg lagen hinter uns, vor uns endlose Weiten. Ein warmer Rückenwind schob uns durch die Elbauen, der Blick hatte Zeit, über das Land zu schweifen, die Nasen konnten in aller Ruhe den Sommerduft der Kiefernwälder inhalieren. Hinter Dömitz geht es noch 50 Kilometer weiter durch die enge Allee, dann rollten wir am Bahnhof vor, wo wir Heike und Thomas trafen. Ein Eisbecher an der Elbe, ein paar gute Ratschläge, Umarmung, ein Foto. Die orange Vanvan folgte der grünen nach Berlin, Anja und ich brummten auf der blauen allein durch einen riesigen Nachmittag, der monoton mit 70 Sachen in schwerer Schwüle dahinzog. Die Dörfer, die Straße waren leer wie nie, nichts lenkte ab vom Dasein, einsam und klein. Wir aßen zu Abend in der Zivilisation des Zollenspiekers, danach parkten wir die Blaue in der Tiefgarage, wo jetzt endlich mal wieder etwas Platz ist.
Samstag, 9. Juli 2016
Angenehme Länge
Samstag früh um 9 Uhr war ich schon auf der Autobahn. Das Ziel war erneut Travemünde, der Anlass wieder blöd. Aber um 12 Uhr war dies erledigt und ich wusste, dass Anja schon dabei war, ihre Honda klar zu machen und sich in Richtung Strukdorf aufzumachen. Dort trafen wir uns, schauten in den Himmel und fuhren nach McPom. Es ging durch das touristisch erschlossene Lübeck und die alte Strecke über Schlutup. Während der Fahrt gingen mir alle möglichen Gedanken durch den Kopf, aber die Aussicht auf mehrere Kugeln Jannys Eis in Grevesmühlen zog mich vorwärts und Anja hinterher. Nach einer ausreichenden Menge ruhig gleitender Kilometer durchs Land, das langsam anfing nach Sommer zu riechen, standen wir vor wegen Krankheit verschlossener Tür. Von Grevesmühlen aus gibt es diese verwinkelte Straße, die durch Dickicht und Wiesen über Rehna nach Carlow führt, die wir aus der frühen Nachwendezeit kennen. Sie wurde irgendwann mal neu geteert, aber buckelig und hinterweltlerisch wird sie immer bleiben. Von Ratzeburg aus ging es durch den Spätnachmittag querfeldein über Kastorf und Sandesneben zurück zur Stadt. Die Fahrt zog sich auf angenehme Weise in die Länge, weil sie wusste, wie wichtig das jetzt war.
Montag, 4. Juli 2016
Alles klar.
Ich zog den Feierabend noch ein Stück hinaus, bis das Wolkenfeld und der Verkehr sich verzogen hatten. Dann startete ich eine Montagabendtour. Das musste sein, denn im Kopf waren zu viele Dinge, die da nicht hingehören. Ich fuhr durch den Hafen, dann über Ehestorf zur B75, alles noch etwas fahrig und abwesend. Dann blitzte die Verbindung von Sieversen zur B3 in der Erinnerung auf. Eine traumhafte Waldstrecke mit Mittegebirgscharakter. Danach ging es mir wieder gut. Die B3 tat ihr Übriges: Kein Auto weit und breit, langes Licht flutete die Allee seitlich. Der Fahrwind war ein warmer Strom und blies alles hinter mich. Es war fast Neun und immer noch taghell. Ich nahm den Abzweig durch die Heide nach Undeloh. Langes, einsames Gleiten durch goldene Landschaft. Kein Sonntagnachmittag kann da mithalten. In Stelle fällt der Elbhang abrupt in die Marsch ab. Über Over erreichte ich das Stadtgebiet. Ich kurvte noch etwas sinnlos hin und her, um punktgenau in der Altonaer Straße den fünfzigtausendsten Kilometer der Vulcan zu dokumentieren. Im Kopf war alles klar.
Sonntag, 3. Juli 2016
Auf Sicht
Das zermürbende Spiel gegen die Italiener saß uns noch in den Knochen, daher waren wir dankbar, zunächst nur die Deichstraße entlanggondeln zu müssen. In Lauenburg zeigte das Regenradar tausend Kleinstzellen an, die unplanbar waren. Also fuhren wir auf Sicht, was uns auf eine interessante Route brachte, und unbekannte Straßen, gar versteckte Schätze. Im Dreieck zwischen Lauenburg, Lüneburg und Winsen bogen wir immer dann ab, wenn eine zu dunkle Quellwolkenformation vor uns auftauchte. Es ging kurvig durch Wälder und über Hügel, die hier niemand erwartete. Bis tief in die Heide hatten wir uns vorgearbeitet, auch, um bitte endlich einen Kaffee und Schweineohren zu bekommen. Nun war klar, dass die Schauerwalze auf dem Rückweg nicht mehr zu umfahren war. An deren äußersten Rand tasteten wir uns bis an das seltsame Endstück Harburgs vor, dann konnte man nur noch die Augen zu machen und durch. Tropfnass standen wir in Eimsbüttel und die Sonne ging wieder auf.
Sonntag, 26. Juni 2016
Freie Bahn
Irgendwann war alles vorbei: die drückende Schwüle, die zermürbenden Regenwellen, die endlose Harleyparade. Übrig blieb ein frischer Sonntagnachmittag und ungenutzte Bundesstraßen im Süden. Die Gedanken hatten freie Bahn auf der B3. Sie zog gleichmütig unter unseren Reifen dahin, oben rauschte der Wald, durch schwere Wolken blitze die Sommersonne. Am Ende der betörend eintönigen Etappe liegt Soltau. Dort kann man direkt vorm Café ausrollen und sich was bestellen. Anja schaute aufs Regenradar und wurde blass. Den großen Bogen ließen wir schleunigst bleiben und nahmen dieselbe Strecke zurück. Das ging so flüssig und schnell, dass wir einer übermütigen Laune folgend einfach mal beim Public Viewing vorfuhren und zumindest noch 2 der 3 Tore sahen. Danach war immer noch Abend. Eine kleine Runde durch die Stadt noch und langsam wunderten wir uns, wie viel in so einen Sommernachmittag rein passt.
Mittwoch, 22. Juni 2016
Mittig
Mein offizieller Lieblingstag im Jahr ist Mittsommer. Da braucht man keinen Weihnachtsbaum aufzustellen, sondern holt Abends noch mal die Maschinen raus und genießt das lange Licht auf leeren Straßen. Die Kellnerin im Arizona brauchte ewig, aber das machte nichts. Auf dem schwungvollen Weg über Quickborn, Rellingen Pinneberg schien die Sonne noch taghell auf das ruhende Land. Wie fuhren durch die berühmte Baumschulenregion nach Wedel, dann auf der Elbchaussee in die beginnende Dämmerung, so dass die gelbe Hafenbeleuchtung wirkte wie ein übertriebener Photoshop Funkelfilter. Ein, zwei Zigaretten lang absorbierten wir in Teufelsbrück die Stimmung des Moments. Dann blubberten wir langsam durch die warmen Straßen der Stadt, achtsam auf Radfahrer ohne Licht, und hoffend auf noch eine Handvoll Abende wie diesem.
Samstag, 18. Juni 2016
Unaufgeregt in Plön
Bike Days Plön, normalerweise würde man dort nie hin fahren. Aber der Weg ist schön, das Wetter auch, also warum nicht. Wir kamen über die B4 aus der Stadt raus und ließen die Honda und die Bonnie zufrieden dahinrollen. Bad Segeberg, Zwischenstopp in Strukdorf, irgendwas abliefern. Hinter Ahrensbök gibt es eine Diagonale nach Plön. Das war tatsächlich eine dufte Straße, die wir echt nicht kannten. Sie verläuft romantisch durch wild wuchernde Hügel und verpennte Wohlstandsdörfer. Etwas unwillig rollten wir in Plön-Zentrum ein und mussten erstmal einen Kaffee trinken. Das Bikerspektakel war in einer Runde abgehakt und waren froh, dass die Band gerade Pause machte. Zu spät durften wir nicht zu Hause sein. Die Strecke über Segeberg nach Norderstedt war nie besonders aufregend, aber an unaufgeregten Tagen wie diesem war sie genau richtig.
Samstag, 11. Juni 2016
Gastfreundschaft
Besuch zu bekommen ist eine Ehre, und ein Gästemotorrad vorzuhalten, das wird heute einfach erwartet. Zum Glück befindet sich ja die Bonnie derzeit in Hamburg, so dass wir ohne peinliche Ausreden Thomas mit auf Tour nehmen konnten. Mit Gästen kann man überall hinfahren, es ist immer gut. Trotzdem gab ich mir Mühe. Ich improvisierte eine Fahrt über Lauenburg, Boizenburg, Zarrentin, was gut ankam und ein Eis einbrachte. Und das, obwohl ich den Trupp unterwegs auf einem DDR-Waldweg ins Dead-End geführt hatte. Der Tag war sonnig und warm, die Bonnie kitzelte Thomas`Gashand und stand ihm ausgezeichnet. Wir fuhren auf kleinen Holperwegen hinunter bis an die Elbe, die ist immer beeindruckend für Besucher. Überfahrt mit Fähre nach Bleckede, gemütlich über die Dörfer zurück nach Lauenburg. Elbdeich nach Hamburg. Alles normal, aber schon schön, dafür braucht man manchmal die Augen eines Gastes.
Sonntag, 5. Juni 2016
Welch ein Leben.
Noch ein Tag, noch mehr Sommer, welch ein Leben. Warum nicht gleich nochmal ans Meer. und warum nicht die Mopeds durchtauschen, so dass ich die Bonnie fuhr und Anja wieder Honda. Ein schöner Bogen nach McPom findet sich leicht, z.B. über Lauenburg, Boizenburg nach Zarrentin, und von da auf der alten Grenzstraße über Seedorf durch überbordendes Grün nach Ratzeburg. Dort nicht aufhalten, gleich ganz allein auf der langen geraden Piste durch den flirrenden Nachmittag nach Schönberg. Was ich nicht auf dem Zettel hatte, war, dass die dortige Eisdiele seit geraumer Zeit eine unattraktive Pizzabude ist. Blieb nur die Flucht nach Grevesmühlen zu Janny's Eis, das hat wenigstens Bestand. Auf urigen Alleen kann man gemütlich um den Klützer Winkel herum fahren. Hinter dem Knick wissen wir, ist das Meer. Und in Wankenhagen entdeckten wir einen Pfad, der 'Strandweg' heißt. Hinter einem Dschungel lag tatsächlich die Ostsee, und wir gleich daneben. Ein paar Ossis liefen nackt herum und badeten im Eiswasser. So einen Tag genießt man bis zum Schluss. Wir nahmen eine ausgedehnte Rückfahrt über Mölln, Nusse, Sandesnneben. Die Bonnie rauschte mit einer süchtig machenden Geschmeidigkeit durch die Hohlwege. Bei Hamburg drohte ein finsterer Amboss. Mit angelegten Ohren erreichten wir die rettende Tiefgarage in der Stadt, die all das nie zu sehen bekommt.
Samstag, 4. Juni 2016
Faktor 15
Ein seltsames Jahrhunderttief riss das Land in den Abgrund, außer den Norden. Hier brach stattdessen ein Wochenende an, heiß wie Arizona, mit Tagen, die endlos sind. Es war okay, erst am frühen Nachmittag unterwegs zu sein, ans Meer. Über Kayhude nach Oldesloe, dann erstmalig in diesem Jahr, das sich immer noch neu anfühlt, die Route über Ahrensbök, Eutin, Schönwalde. Dabei fuhr Anja die Bonnie, als Experiment. Sie stand ihr gut, und beim Beschleunigen verlor ich oft den Anschluss. Ostholstein lag glühend und buschig in der brennenden Sonne, zufriedenes Gleiten durch wuchernde Alleen und dunkle Dschungel. Von der Fehmarnsundbrücke aus konnte man am Horizont gigantische Ambosse quellen sehen. Sie waren lt. Radar 100 Kilometer weit weg, hoffentlich blieb das so. Der Strand in Wenkendorf war ganz nah und ist und bleibt unser heimlicher Lieblingsort für ein paar Stündchen rumliegen mit Sonnenschutzfaktor 15. Der Abend war immer noch ein warmer Wind, nur das Licht war weich und gelb, und die Felder schimmerten wie Seide. Wir planten die Rückfahrt so, das wir ganz zufällig hungrig und gerade noch rechtzeitig am Hähncheneck in Bad Schwartau vorbeikamen. Auf der B75 fuhren wir in die Dämmerung. Sie zieht sich bis in die Nacht hinein um diese Zeit, und dafür lieben wir sie.
Sonntag, 29. Mai 2016
Hunger
Death Metal hin oder her, Anja war in Strukdorf und hatte Hunger. Am Sonntagmorgen um 8 Uhr war ich mit der Bonnie auf der Straße, knüppelte bei Gegenwind über die Autobahn, um bei Dölgers Bauernladen in Binnenkamp noch Mohnbrötchen zu kriegen und Rührei zu machen, bevor Anja aufsteht. Hat alles geklappt. Danach fuhren wie zusammen zurück. Über Bad Segeberg und Bramstedt. Wir dachten immer, man könne der Technik trauen. Aber den halben Weg fuhren wir stumm und gleichmütig im Nieselregen.
Es sah aus, als sei der Nachmittag zum sortieren von Aktenordnern verdammt. Dann kam rettend die Sonne wieder. Als erstes wusch ich die Bonnie (die an der Tanke kennen mich schon), und drehte noch eine ausgiebige, rauschende Runde durch die Marschen. In Kolmar hatte nur noch die Fischbude offen, dort kostet ein Nucki Nuss 3 Euro. Aber was soll's, die Straßen waren leer, und der Abend hell und lang, und immer wenn ich nach Hause fuhr, fand sich einen Grund, doch nochmal abzubiegen.
Samstag, 28. Mai 2016
Sinn
Holprig wie der Samstag begann, war kontemplatives Cruisen das einzig Wahre. Ich war allein mit der Vulcan, vor mir zog sich die B3 schnurgerade durch den heißen Maidschungel. Die Zeit stand, nur die Kilometer verstrichen, jeder einzelne voller Sinn. In Soltau aß ich Eis, trank Kaffee, rauchte. Dann fuhr ich auf der B209, die ist noch monotoner, ganz durch bis Lüneburg. Statt zurück zu fahren, nahm ich noch ein Stück der 216, die man in den Abend gleitend nach Danneberg fahren könnte. Das sanfte Nachmittagslicht hätte es verdient. Die Vernunft brachte mich dann aber über Bleckede an die Elbe. Lauenburg, Deichstraße. Dinner am Zollenspiekerimbiss mit einem Alkoholfreien auf dem Deich. Die Sonne brannte weiter, ich ließ mich noch ein Stück über den heißen Stadtasphalt treiben, allein mit der Vulcan und einem Haufen sinnvoller Kilometer.
Sonntag, 22. Mai 2016
Großer Bahnhof
Großer Bahnhof in Darmstadt. Mit dem Frühzug kam ich an, ging direkt zur Tiefgarage und holte die Bonnie raus. Man brauchte keine Jacke, die Sonne brannte auf die Straßen der Stadt und die Villen in der Wormser Straße. Dort fand ein großes Fest statt, und zwischendurch öffnete sich sogar ein Zeitfenster, aus dem Anja und ich kurz losdüsten, die Serpentinen hoch zur Burg Frankenstein. Durch den flirrenden Dunst des heißen Nachmittags blickten wir hinunter in die Rheinebene.
Das Fest ging bis spät in die Nacht. Als das Gespräch z.B. auf den Verlauf bedeutender Bundesstraßen fiel, reifte in mir ein verwegener Plan. Ich verzog mich klammheimlich, war dafür am Sonntag fit, und nahm nach dem Frühstück zur allgemeinen Irritation einfach mal die Bonnie mit nach Hause. Während Anja den Tag im Fond eines Toyotas verbrachte, fuhr ich mit einem satten Südwind im Rücken bis Fulda auf der Autobahn, Wie im Reiseführer "Germany" schwang sie sich elegant und leer durch die Hügel. Dann die B27 bis Göttingen: Ganz allein entlang der Werra, gleitendes, ungestörtes Fahren über 250 Kilometer. Die Handschuhe mussten aus, es war heiß. Auf der B3 ließ ich die letzten Hügel hinter mir, rollte nördlich von Hannover durch die Ebene. Celle, Soltau, vertrautes Land. Links von mir hatte sich eine bedrohliche Gewitterzelle gebildet, die ebenfalls nach Norden unterwegs war. Laut Radar blieb für Pausen keine Zeit. Nach 7 Stunden saß ich überraschend ausgeruht bei Anja auf dem Balkon. Die Zelle hatte sich aufgelöst. Ich hatte Hunger.
Montag, 16. Mai 2016
Am Ende der Straße
Der Sommer hielt noch eine Woche lang an. Jeden Tag fuhr ich unsinnigerweise mit der Vulcan durch die Stadt zur Arbeit, und abends trafen wir uns zum Spätcruisen, durch den Hafen oder an die offiziellen Bikertreffs im Umland.
Dann kam das Pfingstwochenende. Es war lang und hatte den Herbst an Bord. Samstag war noch erträglich genug, um z.B. trendige Ducatis zu testen. Sonntag regnete es den ganzen Tag. Und den Montag hätten wir fast verpennt. Aber mit Fleece und langer Unterhose wurde der peitschende Westwind und der grelle, zerrissene Himmel über Schleswig Holstein mit jedem Kilometer inspirierender. Wir stoppten in Reinfeld, dann in Travemünde, machten einen Haken an die Liste, fuhren ein Stück die Bäderstraße hinauf. Das Touristengewimmel in Scharbeuz störte uns heute gar nicht. Denn das Meer war wild und grün, die Vulcan hing gut am Gas, und alles war hell und klar. Im Inland wurde es immer kälter. Ahrensbök, Langniendorf, Reinfeld. Dann ein Stück B 75, bis zu dem Abzweig bei Bargteheide. Schnell in die Stadt, über jede wärmende rote Anpel freuend, nach vorne schauend, dort, am Ende der Straße gibt es eine warme Badewanne.
Sonntag, 8. Mai 2016
Berlin Cruise Days
Erstens kam das lange Himmelfahrtsbrückentagwochenende, zweitens ein Jahrhundertwetter. Aber am besten war, dass die Berliner Freunde uns eingeladen hatten. Donnerstag auf der B5 wucherte das Grün der Allee, strahlte das Gelb der Rapsfelder in das leergefegte Blau über uns. Am späten Nachmittag erwartete uns Rembert in Ribbeck zum Kaffee am Schloss. Die Sonne stand heiß und hoch, und wir ließen uns viel Zeit. Für den Kaffee, aber vor allem für die majestätische Einfahrt in die Hauptstadt. Alle wichtigen Sehenswürdigkeiten wurden angefahren. Friedrichshain erreichten wir in der Dämmerung.
Der Freitag war eigentlich ein normaler Freitag, nur halt frei. Für wohl alle, denn die Stadt war leer in der weißen Vormittagssonne auf dem Weg zum Treffpunkt mit dem Pauli. Südlich von Berlin muss man sich auskennen. Es gibt einen modernen Flughafen, der unbenutzt in der Landschaft liegt, endlose, einsame Waldstrecken und weite Flächen, die aussehen wie ein hellgrüner Park, durch den das Licht flirrt. Die Orte sind entweder allerliebst-hübsch, oder ostig-grau, je nachdem. Nicht vorne zu fahren ist für mich ungewohnt und sehr unterhaltsam. Mal fuhr ich hinter Rembert, mal am Schluss, die äußerst fotogene Cruisergruppe im warmen Nachmittagslicht bewundernd. Am Abend waren unsere Köpfe leer, so dass an Aktivitäten außerhalb des Balkons in der Sonntagsstraße nicht zu denken war.
Durch Androhung von Etappen im oberen dreistelligen Bereich konnten wir die Mitnahme zweier 125er erfolgreich wegdiskutieren. Denn es ging erst über Köpenick aus der Stadt raus, und dann in einem raumgreifenden Bogen durchs große Nichts des Oderbruchs hinauf in das westlich liegende, weithin unbekannte Mittelgebirge hin zur Schorfheide-Chorin. Der Ostwind hielt auch heute den Himmel frei, so dass alles, durch das wir rauschten, leuchtete wie frisch angemalt. Die Landschaft war abwechslungsreich, hügelig, die Sonne hochsommerlich und die von Rembert sorgfältig gewählten Strecken frei von Dosenverkehr. In den Kurven gab er mit der Slim ein flüssiges Tempo vor, beim Beschleunigen war für uns kein Land zu sehen. Vom Schiffshebewerk in Niederfinow aus war der Rückweg eigentlich klar. Die historische Katzenkopfpiste in irgendeinem namenlosen Brandenburgischen Dorf war aber ungeplant. Sie verwandelte sich in einen sandigen, holprigen Waldweg, so dass hinterher alle heimlich froh waren, das nichts abgefallen ist. Berlin erreichten wir über Weißensee und nie gesehene Teile, in denen noch richtige Plattenbauten stehen. Wie gesagt, beim Hinterherfahren ist es egal, alles ist aufregend, jede Ecke neu, und die Nächte in Berlin sind warm, und man hält beim Gehen stets eine Bierflasche in der Hand.
Sonntag, endless Summer, es war inzwischen wie Urlaub. Eskorte diesmal von Thomas auf der Vanvan aus der Stadt heraus. Unerklärlicherweise stauten sich die Bürgerkäfige zig Kilometer auf der Heerstraße, und auch die B5 war bis Friesack unangenehm voll. Das war dann erstmal egal, weil es dort die geheime, sensationell gute, familiengeführte Eisdiele gibt, in der man einfach noch eine Stunde vergehen lassen kann, bevor man die Maschinen anlässt und satte 250 Kilometer lang den Gang nicht mehr rausnimmt. Die Sonne überholte uns langsam und drückend, und vor Hamburg bogen wir auf die Deichstraße ab. Auch, weil auf den Hauptstraßen sich wieder die Dosen stauten, hauptsächlich jedoch, weil er nicht enden sollte, dieser Traum.
Samstag, 16. April 2016
Auf der Flucht
Das Wetter war viel besser als in der Vorhersage. Nach Osten kamen wir nicht aus der Stadt raus, zu viele Sperrungen, zu viele Bürgerkäfige. Aber es gibt ja noch den Norden. Auf der B4 cruisten wir zufrieden dahin, wollten einen großen Bogen machen und irgendwie über Stormarn zurück an die Elbe kommen. Wir nahmen ungewöhnliche Strecken, die z.T. gar nicht übel waren, wie z.B. von Wakendorf nach Nahe, dann weiter nach Grabau, wo es beeindruckende Hügelgräber gibt. Im Rückspiegel verfolgte uns eine unschöne, dicke graue Wolke. Irgendwann standen wir auf dem Parkplatz eines Supermarktes, und die Wetter-App brachte grausige Gewissheit: Eine kompakte Schauerzelle war hinter uns her. Wir diskutierten fieberhaft alle möglichen Strategien, mussten aber handeln. Kreuz und quer jagten wir über das Dreieck zwischen Oldesloe, Reinfeld und Segeberg, befuhren dabei Dörfer, die nie ein Fremder sah, und Wege, die mitten durchs Wohnzimmer der Bauern führte. Der Hauptfluchtweg nach Ratzeburg war, warum auch immer, durch ein Polizeigroßaufgebot gesperrt. Verzweifelt standen wir in Reinfeld, nichts ging mehr. Das Café hatte zu. Der Schauer entlud sich. Eine Minute lang. Doch außer vereinzelten Tröpfchen passierte nichts. Mit der Sonne tauchte Birte auf und lockte uns in eine andere Welt. Abseits der toten Stadt war unbemerkt ein riesiges Einkaufszentrum Amerikanischen Stils errichtet worden, mit Bäckerei-Drive-IN. Wir verbrachten dort staunend den Nachmittag. Unser Rückweg war ein spannender Balanceakt über ungewohnte Strecken um die Zellen auf dem Radarschirm herum. Trocken, und am Leben.
Sonntag, 10. April 2016
Our Heidelbergness
Es ergab sich, dass wir wieder in Darmstadt waren. Inzwischen war der Frühling nicht mehr aufzuhalten. Anja stieg direkt vom Intercity auf den Rücksitz der Bonnie. Dann trieben wir die B3 entlang, bogen nach Gefühl in den Odenwald ab und suchten uns eine Strecke für den Nachmittag. Nach Süden konnte nicht falsch sein. Mal waren es flüssige Bundesstraßen, meist aber kleine kurvige Nebenstraßen auf Kämmen entlang, oder durch Wälder und Wiesen. In Fürth waren wir die einzigen Gäste in einem seltsamen Café, und auf der Karte rückte Heidelberg in greifbare Nähe. Kurz darauf erreichten wir das Neckartal und besichtigten schnell noch eine Burgruine, in die wir am liebsten sofort eingezogen wären. In Heidelberg standen wir ungläubig in einer hysterischen Touristenmasse, die sich über die Brücke und durch die zurechtgemachten Gassen goss. Germany made in China, Romantik, Selfie-Sticks. Mittendrin saßen wir und aßen Burger, Die Bergstraße sieht zwar auf der Karte gut aus, ist in Wahrheit aber eine quälende Kette von Ampeln und nie endenden Neubauwohngebieten. Ab Weinheim nahmen wir die Autobahn zurück, es ging nicht anders.
Am Sonntag blieb wieder noch eine Tour mit Zeitlimit, was immer etwas unentspannt ist. Wir bretterten auf der Autobahn nach Nordwesten, Richtung Rheintal. Ans Autobahnfahren hat man sich in der Gegend inzwischen gewöhnt. Es ist normal und funktioniert mit der Bonnie erschreckend problemlos. Die Burgen am Rhein leuchteten in der Aprilsonne. Bei Kaub setzen wir mit der Fähre über, und die Uhr zog uns auf der anderen Seite schon spürbar Richtung Wiesbaden. Ein Strom von Bikern mit blankgeputzten Maschinen kam uns entgegen. In der Nähe der Touristenhotspots waren es vermehrt versnobte Showbikes. Autobahn bis Darmstadt. Dort stieg Anja wieder in den IC, ich parkte die Bonnie in der Tiefgarege und ließ sie zurück zusammen mit der ungeahnten Wärme dieses verschnarchten Sonntagnachmittags.
Sonntag, 3. April 2016
Wichtiges
Travemünde ist in letzter Zeit aus gegebenen Anlass wieder in den Fokus gerückt. Ich musste am Samstag um 10 Uhr da sein, aber das war auch auf der Autobahn nicht zu schaffen. Die Vulcan parkte draußen in der Sonne, während ich drinnen Gegenstände vergangener Zeiten sortierte. Danach genoss ich die bummelige, einsame Rückfahrt über die bekannten Strecken. Die Sonne blieb lange oben, und kalt wurde es heute nicht mehr.
Sonntag begann wie ein Sommer. Thomas war da, und fuhr auf der blauen VanVan mit uns die Elbuferstraße entlang. Die linke Hand war schon müde vom Grüßen, da fielen mir 2 wichtige Dinge ein, die irgendwo noch in Travemünde liegen müssen. Ganz wichtige Dinge. Kurzerhand trennten wir uns an der Cappuccinotanke in Lauenburg. Anja und ich cruisten gelassen über Büchen, Mölln Richtung Lübeck. In zwei magischen Momenten tauchten die Gegenstände auf. Als Belohnung fuhren wir die Dorfstraßen meiner Mofazeit über Warnsdorf, Kreuzkamp, Ratekau und gönnten uns ein dickes halbes Hähnchen in Bad Schwartau. Der Abend war warm wie im August. Die B 75 schimmerte im Gegenlicht, und wir glitten cool in die Stadt, abgekoppelt von der Hysterie um uns herum, umarmten gedanklich das, was wirklich wichtig ist.
Montag, 28. März 2016
Darmstadt und Umgebung zu Ostern
Plötzlich war Ostern, bzw. erstmal Karfreitag. Dauerregen draußen, drinnen lag ich krank auf dem Sofa und hörte Mahler im Dämmerschlaf. Aber das Gute war, wir waren bereits in Darmstadt, und zwar äußerst luxuriös untergebracht. Im Carport wartete die Bonnie. Alle warteten auf den Samstag, an dem die Sonne schien wie noch nie, die Nase langsam frei wurde wie die Landstraßen im Odenwald, über die wie entlangsegelten. Wir hatten zwar eine Karte mit vorgezeichneten Motorradstrecken, aber wer braucht die, wenn es vollkommen egal ist, man die Maschine einfach rollen lässt, hinter jeder Kurve ein neues, romantisches Tal, ein niedliches Fachwerkdörfchen oder ein Märchenschlösschen liegt, wie zum Beispiel in Mespelbrunn. Wir gondelten den irre unübersichtlich in der Landschaft liegenden Main entlang, suchten vergeblich eine Eisdiele in Wertheim, fuhren weiter, fanden sie in Miltenberg. Pures Glück, der ganze Tag.
Sonntag war es zunächst ungemütlich, aber das passte gut zu der traurig-funktionalen Rheinebene, dieser effizienten Landschaftsmaschine, nur da, um all die gleichförmigen weißen Siedlungen zwischen den raumgreifenden Gewerbegebieten unterzubringen und zu vernetzen. Auf der anderen Seite war Worms, dort steht inmitten der Tristesse ein Dom wie aus dem Geschichtsbuch. Und noch ein paar Kilometer weiter, erst Hügel, dann Sonne, dann der Pfälzer Wald. Wir kurvten durch dunkle Täler, in denen sich Papierfabriken aus der Anfangszeit drängen. Mit Vollgas bretterten wir auf der Autobahn zurück, um nicht das großbürgerliche Osteressen zu verpassen.
Noch ein Montag, immer noch Ostern. Bis um 15 Uhr hatten wir Zeit. Zeit für einen Ausflug nach, sagen wir mal, zum Frankfurter Flughafen. Nicht um weg zu fliegen, sondern zur Aussichtsterrasse Startbahn West, in der Hoffnung auf einen A-380 (kam keiner). Eine letzte Fahrt durch ungemütliche Rhein-Main Effizienz, ein Stück Autobahn, das wars. Schön wars.
Montag, 29. Februar 2016
Gracias.
Anfangs hatten wir uns alle möglichen Strategien zurechtgelegt, wie wir wohl die Zeit rumkriegen, weil die Insel so winzig ist. Aber als wir die Miet-Kawa erst einmal unter den Hintern hatten, war das alles banane. Denn auf La Palma gibt es keinen geraden Meter. Am ersten Tag erkundeten wir den zersiedelten Osten und den Süden. Wir kurvten durch Lavaströme, die noch warm waren und Bananenplantagen, die bedrohlich wirkten. Abends parkten wir die Kawa in der Tiefgarage und rauchten Fortunas auf unserer Dachterasse.
Die nächsten Tage waren gefüllt mit ganztägigen Touren. Über den Berg, der ein Vulkankrater ist, führt eine spektakuläre Kringelstraße durch Schnee und Eis, unten Wolkendecke, oben Sonnenbrand. Auf den Ostseite, unten am schwarzen Strand, konnte man sich aufwärmen oder irgendwas mit Tintenfischen essen. Meist beides.
Die Nordumrundung sieht auf der Karte aus wie eine Spazierfahrt, es sind aber 200 sehr intensive Kurvenkilometer, vor allem wenn man hier und da mal abbiegt, weil man 600 Meter weiter unten z.B. einen Leuchtturm gesehen hat, oder glaubt, die winzige Nebenstraße würde irgendwann wieder hochführen, und nicht in einem bröckeligen Feldweg verenden.
Zwischen Santa Cruz und Los LLanos gibt es noch den alten Pass, aus der Zeit vor den zwei Generationen Scheiteltunnel. Dort steht man in der Abenddämmerung plötzlich inmitten der Wolkenwalze, die den ganzen Tag über fotogen über den Kamm rollt. Niemand da, man kann einen Abstecher in die Vulkanwüste wagen.
Irgendwann fehlte nur noch die Südwestflanke. Tolle, einsame Kurvenstraße hoch über dem schäumenden Ozean. Und wenn man hinunter fährt sind da triste Urlauberghettos. Damit hatten wir nichts zu tun. Wir verbrachten noch ein paar Abende in den Fußballkneipen Santa Cruz's. Vino Tinto € 1.50. Gracias.
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