20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Sonntag, 17. Dezember 2023

Nicht Advent Advent

Auf dem Kalender war Weihnachten längst in Sicht, aber auf der Vorhersage stand schon seit Tagen ein einzelner wundersamer milder Tag, auf den sich große Hoffnungen aufbauten. Ich wartete bis Mittag, dann ging es los. In der Stadt war mir so warm, dass ich die Heizgriffe gleich wieder ausschaltete. Die Honda rauschte durch das Hafengebiet, dann am Deich entlang nach Over, und über Stelle Richtung Nordheide. Die Strecke stand nicht im Vordergrund, auch nicht Advent Advent, sondern das pure Unterwegssein, die motorisierte Fortbewegung, schwebendes Gefühl, ja Freiheit war auch dabei. Am Anfang grüßte ich entgegenkommende Biker überschwänglich, im Laufe der Fahrt waren es so viele wie an einem Sommertag. Ich kurvte in schwachem Nachmittagslicht querfeldein nach Westen, durch Buchholz in Richtung Altes Land. Die Griffe standen inzwischen auf Stufe 3, über die kahlen Felder peitschte harscher Dezemberwind. Ich packte 2 Kilo Elstar ins Schreckliche Topcase, fuhr frierend in den Elbtunnel und von dort direkt in die warme Wanne. Weihnachten konnte kommen.


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Montag, 30. Oktober 2023

Kompetenz

Anja war gelandet, und den Koffer konnte konnte sie auch morgen noch auspacken. Denn vor uns lag ein Brückentag, auf den die Sonne schien, und den ließen nicht vorbeiziehen. Im Spätoktoberlicht mussten die SR und die Rebel ein stimmiges Bild abgeben, das stand im Vordergrund und bestimmte auch die Bekleidung. Die Tour wurde überschaubar und genussorientiert geplant, mit Hoffnung auf echte 15 Grad und herbstlich fotogene Stellen zwischen Hollenstedt und Neuenfelde. Das Fahren durch den gelben Nachmittag war klasse, es ging in gleichmäßigem Schwung über die Rosengartenstraße und einige neu entdeckte Landstraßen über Appel und Moisburg, durch überraschend hügeliges Gebiet im Speckgürtel. Eine knappe 100 Km Tour, auf der besonders die SR ihre Kernkompetenz ausspielen konnte, den Nahbereich zu vergolden und umwerfend auszusehen. Meine Lederjacke passte ins Bild, hielt aber dem Südwind nicht lange Stand, 15° hin oder her. Frierend und den letzten Wegpunkt überspringend kamen wir in die Stadt, in dessen Zentrum eine warme Wanne mich anzog wie ein sonst nichts.




Sonntag, 29. Oktober 2023

Spannung

Ein letzter alleiniger Sonntag, und vielleicht der letzte überhaupt. Während Anja in 11 Km Höhe über Arabien schwebte, fuhr ich ohne Plan aus einer von Fußgängern überschwemmten Stadt nach Süden raus. Dort gab ich dem Tomtom eine zweite Chance. Ich tippte irgendwo auf den Bildschirm und ließ eine 'Spannende Route' ausarbeiten. Diese fuhr ich dann ungeprüft ab. Erfreulicherweise kamen diesmal tatsächlich unterhaltsame Strecken heraus, wobei die am besten waren, die auf versteckten Wegen an Waldrändern entlang führten, und in irgendwelchen Dörfern am Kuhstall wieder rauskommen. Die Sonne leuchtete filmreif auf gelbes Laub, ich ließ die 500X bedächtig durch die Hohlwege rollen, hinter jeder Biegung Wanderer, Wölfe oder Lehmschmiere erwartend. Der Endpunkt, den ich bei Lüneburg angetippt hatte, war irgendwo im Nichts. Das letzte Stück war daher ein vielleicht noch legaler, aber ganz klar peinlicher Waldweg, den ich lieber wegkürzte. Auch den letzten Wegpunkt über Undeloh löschte ich, kurvte lieber noch entspannt am Deich entlang und kam rechtzeitig in den sicheren Hafen. In der Stadt war schon Dämmerung und die Fußgänger waren immer noch da. Ich fuhr direkt zum Kärcher, sprühte die Waldwege weg, dann nach Hause und beobachtete Anja beim Landeanflug.



Mittwoch, 25. Oktober 2023

Jetzt, hier.

Als der Herbst nicht mehr wegzudiskutieren war, verschwand Anja in den Oman und ich war hier. Am Sonntag redete ich mir die Wetterkarte schön, zog beheizbare Socken an und war unterwegs, bevor mir irgendwas Sinnvolleres einfiel. Ich fuhr auf der nassen B5 mach Osten aus der Stadt raus, mit viel Unsicherheiten und einem seltsamen losgelösten Gefühl, auf einer Route hin zu einsamen, verwinkelten Nebenstrecken. Hinter Schwarzenbek wurde es interessant. Siebeneichen, Güster, Göttin, schmale Wege durchs Gehölz, dann diagonal durch die Bretziner Heide ins Tessin, und von da durch den Wald nach Neuhaus. Im Rückspiegel sah es finster aus, und ich musste mehrfach die Route um anrückende Schauer herumprogrammieren. Doch ich schaute nicht zurück. Vor mir war das Licht, das Hier und Jetzt war alles was ich brauchte, abgesehen von den Heizgriffen auf Stufe 2. Auf der B195 begegnete ich mehr Bikes als an manchem Hochsommertag. Ich kam bis nach Dömitz, wo ich unter Leichtniesel die Elbe überquerte. Auf der andere Seite ging es zurück in eine andere Welt. Ich fuhr unbekannte Nebenstrecken, dann bekannte, am Ende freiwillig ein Stück Autobahn bis Winsen, weil der Gegenwind angenehm frisch und ruppig war. Durch den Harbuger Hafen kam ich ins Alte Land, packte 2 Kilo Äpfel ins Schreckliche Topcase und dachte: Wenn so ein Tag möglich ist, dann ist alles möglich.



Sonntag, 8. Oktober 2023

Thesen

Der Plan war verrückt und basierte auf schöngerechneten Wetterthesen. kritischen Pfaden, standhaltender Imprägnierung sowie kurzfristig einlösbaren Überstunden. Freitag, gegen Ende der Mittagspause, steuerte ich die 500X durch ein Nieselgebiet, welches theoretisch südlich von Harburg vor mir abziehen würde. Tatsächlich. Ab Soltau war es trocken. Ich wechselte auf die Autobahn, die hier angenehm frei war. Klein hinter der Scheibe schnitt ich mit satter Richtgeschwindigkeit durch die Luftmasse, die aus Süden kam, und von der alles abhing. Pünktlich wie das Tomtom erreichte ich den Edeka Markt in Herzberg. Ich holte mir eine Tiefkühlpizza und igelte mich im Edelhof ein.

Samstag musste die Luftmassengrenze nördlich von Hörden liegen, sonst war alles sinnlos. Ich wartete bis Mittag, der Plan schien wieder aufzugehen. Tomtom hatte eine Route durchs Eichsfeld, durch Eschwege und weiter zum Meißner vorgeschlagen, die war sensationell gut und führte in milchige Oktobersonne im Mittelgebirge. Ein zeitloser Strom leichtfüßiger Kurven, absolut leerer Landstraßen über Kuppen, durch unbekannte Täler, und schön gemachter Orte begann und hörte den ganzen Tag nicht wieder auf. Ich genoss staunend die wechselnden Bilder: Epoche-III Heimeligkeit um Duderstadt, den Nachwendeosten, Ausblicke auf die Mittelgebirge im Westen, vor allem aber die totale, geradezu unheimliche Abwesenheit von Menschen. Zurück ging es auf winzigen Waldstrecken an Witzenhausen vorbei über die Werra nach Osten. Bis zum Schluss zauberte das Tomtom immer wieder neue Schleichwege aus dem Hut. Ich war der einzige Mensch auf der Welt, und meine Aufgabe bestand darin, diese auf einer Honda zu erkunden.

Den ganzen Sonntag hatte ich für den Heimweg in Thermowäsche, Es ging früh los, und gleich die B 243 war ein einsamer Genuss bei 12 Grad. Ich gurkte in der Gegend zwischen Bockenem und Holle glücklich aber sinnlos umher, eine geradlinigere Route gab es erst nach Grundsatzdiskussion mit Tomtom. Über Wienhausen kam ich von Süden in die Heide und ließ mich durch den mal mehr mal weniger sonnigen Tag nach treiben. Nach Norden, in eine mit jedem Kilometer zunehmenden Kälte. Es war erst Nachmittag, als ich ins Dickicht der Stadt kam. Sperrungen, Staus, Bekloppte, alle waren da. Ich hatte sie gar nicht vermisst.



Donnerstag, 28. September 2023

Night on Earth

Ende September kam die Dunkelheit wie eine Ramme, aber gemeinsam mit einem letzten Schwall warmer Luft. Hat man sich dran gewöhnt, kann man was draus machen. Die Hafenrundfahrt im Lichtermeer, unter der Woche,  brachte zum Beispiel bleibende Eindrücke von Neon, Schwärze und kolossalem Güterverkehr. Die guten Ecken waren schon besetzt, aber ein, zwei Lost Places hatten wir für uns. Wir hatten ein Alkfreies dabei, alberten mit den Bikes rum, der Sommer war nochmal ganz kurz endlos, ein heller Moment im Dunkel.


 

Sonntag, 24. September 2023

Wiedereingliederung

Zurück in der Realität hatte ich hatte die besten Absichten, etwas Tröstendes zu finden. Gleich am nächsten Tag nahm ich die Bolt und fuhr nach Mecklenburg. So schlecht konnte es nicht sein. Immerhin: Die Kraft war der Maschine überwältigend, streckenweise fuhr ich über HUNDERT KM/H! Und tatsächlich, auf mühsam erarbeiteten, freien Alleen jenseits von Boizenburg gab es ein paar gute Momente. Ich fuhr weiter auch als es kalt durch die Lederjacke zog. Viel zu kalt. Als ich zurück kam war ich krank.

Ich gab aber nicht auf, überredete Anja am Samstag zu einer kleinen Ausfahrt nach Norden. Ich nahm die 500X, mit Schnupfnase und warmer Jacke. Leider auch mit der idiotischen Idee, einer 'spannenden Route' des Tomtom zu folgen. Als ob nicht alles schon schlimm genug wäre, gurkten wir den halben Tag durch Wohn- und Gewerbegebiete Norderstedts und Henstedt-Ulzburg.

Letzte Chance Elbdeich. Diesmal SR und Rebel. Kühle Fahrt durch den Hafen am Sonntag, langsam am Deich entlang bis kurz hinter Hoopte. Dort saßen wir auf einer Bank mit Sonne von hinten. Die Bank bot Raum für Konzepte und Fluchtgedanken. Ja, es geht irgendwie weiter, aber leicht wird es nicht.

Donnerstag, 21. September 2023

Provencekatapult

Erst waren wir mit 11000 PS unterwegs, am nächsten Tag waren es nur noch 11. Allerdings gleich zwei Mal, in je einer Mash Seventy, die wir in Marseille übernahmen und auf den Weg machten zu einer gewagten Expedition in die Haute Provence. Ein wenig Unsicherheit war schon dabei, aber eins wussten wir genau: Mit Hundertfünfundzwanzigern findet man garantiert immer den besten, kleinsten und verschlungensten Umweg durch die Pampa. Castellane zu erreichen erschien uns schon als Leistung. Es ist das Zentrum der Motorkultur Europas. Dass wir letztlich alle Highlights der Region abfrühstückten, darunter Gorge de Verdon, und diverse hochalpine Pässe, das übertraf alle Erwartungen. Mit den 125ern am Col de la Bonette vorzufahren, da waren wir King und Queen. Zehn Tage diese unverschämte Leichtigkeit, das war der wahre Luxus und Abenteuer zugleich. Am Ende war noch etwas Marseille als Fußgänger übrig, dann ging es per Schienenkatapult zurück in die grausame Realität.



Samstag, 9. September 2023

Wheels and Wake

Ich habe auf alles verzichtet, trank alkoholfrei und war früh im Bett. Im Gegenzug war ich morgens um 10 in Norddeutschland mit der Bolt unterwegs, auf dem Weg nach Westen. im Laufe der Fahrt entwickelte sich ein brennend heißer Tag. Im Hoodie, auf freier Bahn, das waren im Grunde Idealbedingungen für amtliches Highwayfeeling. Aber, machen wir uns nichts vor, die Strecke über Bremervörde an die Weser ist und bleibt trostlos, sie zieht sich endlos durch immer gleiche Landschaft. Drüben, auf der anderen Weserseite, faszinierte zumindest die Plattheit, und alles wurde egal, als ich endlich auf dem Gelände des Wheels and Wake eintraf. Zweieinhalb Stunden coolste Custom Bikes und irre Sandrennen reichten, um dehydriert aber erhobenen Hauptes wieder die Bolt anzulassen, und im Spätnachmittagslicht aufzubrechen. Alles war total cool, vor allem die Sisibar, nur der Tank war fast leer. Ich kam noch am Grünendeich vorbei, behielt die Sonnenbrille auf und bestellte Cappuccino.




Sonntag, 3. September 2023

Flucht nach hinten

Sämtliche gedanklichen Falldiagramme unter Einbeziehung vager Wetterprognosen, Urlaubskonten und Routenplänen waren anstrengend und liefen immer auf dasselbe Ergebnis hinaus. Glemseck war unerreichbar. Das war schade aber auch schön, als ich allein mit der Honda unterwegs war, das Schreckliche Topcase prall gefüllt, auf einer "spannenden Route" des neuen Tomtom Riders, durch die Nordheide auf den Weg zum Edelhof. Ein Gefühl der geglückten Flucht begleitete mich, und auch das Umfahren irgendwelcher Schauerzellen war nicht nötig, weil sie gar nicht vorhanden waren. Ich hielt mich trotzdem sicherheitshalber weit östlich, kam seitlich an Wolfsburg vorbei. Die Sonne kam wieder raus, als die ersten Bergketten in Sicht kamen. Seltsam ausgeruht kam ich an, lud ab und fuhr gleich wieder los, zum Einkaufen. Der frühe Abendlicht war einfach zu spektakulär für direkte Wege. Ich programmierte einen Umweg über den Sonnenstein, inzwischen mein Lieblingsort, nur 10 Kilometer entfernt, praktisch auf dem Weg zum Rewe.


Am nächsten Tag war Sonntag. Das war gut und schlecht. Gut, weil auf den unfassbar entspannt schwingenden Landstraßen über die Kuppen des Eichsfelds nur ich und die Sonne unterwegs waren. Schlecht, weil es irgendwann nach Hause gehen musste. Beim Flugplatzfest in Hattorf hatte ich mir den Kunstflug-Mitflug verkniffen, um nicht zu viel Zeit zu verlieren. Alles gut, sagte Tomtom. während der umwerfend abwechslungsreichen Weiterfahrt durch das Grenzgebirge über Dingelstädt, Geismar und zurück nach Heiligenstadt. Was Tomtom nicht sagte (bzw. ich nicht sehen wollte) war, dass er für die Rücktour Autobahn eingeplant hatte. Ich ritt also von Göttingen nach Norden mit 130 Sachen, die Bahn war frei, das war gar nicht so übel. Das beste, und eigentlich wirklich Motivierende für diese Aktion war aber, dass mir Anja entgegen gekommen war und wir pünktlich in Soltau Cappuccino schlürften, als sei es nichts als eine gemütliche Sonntagsausfahrt.



Samstag, 26. August 2023

Fluffig introvertiert

Eine neue Frische war über Nacht aus Norden gekommen, mit Wind und sauberer Luft. Anja ging arbeiten, und ich in die Garage. Die 500X war genau richtig für diesen Tag. Ich fuhr nur mit eine ungefähren, nördlichen Idee los. Das Navi schaltete ich erst in Kaltenkirchen an, die dort im Hinterland versteckten Kurvenstrecken hatte die Honda ganz von selbst gefunden. Im weiteren Verlauf hatte sie sich scheinbar mit dem Tomtom abgestimmt und schob immer neue, immer verstecktere Wald- und Wiesenstrecken unter die Reifen. Fluffigkeit bestimmte alles, ich hatte nichts zu tun außer immer weiter zu fahren, allein, mal introvertiert, mal voll dabei, in grüner Augustfrische, querfeldein auf die Ostsee zu. Unterwegs fuhr in in Strukdorf einmal übers Gehöft, aber es schien verlassen. Der Endpunkt war Travemünde, dort waren viele Menschen, was mich fast überforderte. Halb nostalgisch, halb staunend erlaubte ich mir ein Cornetto-Nuss unter Touristen und plante eine ausschweifende, weiterhin sehr abwechslungsreiche Rückfahrt: Ein Stück Autobahn, dann kleinteilig durch die Feldmark bei Trenthorst, auf einsamen Landstraßen bis Schönberg, am Ende auf der Mittelalterpiste zwischen Siek und Rahlstedt, im Stehen mit 60 Sachen. Abends hielt ich Anja Vorträge über Honda, und wie toll alles ist.



Montag, 21. August 2023

Kilometerrausch

Langes Wochenende - ab nach Hörden. Das könnte inzwischen Routine sein, aber dieses Abenteuer begann z.B. gleich am Rangierbahnhof Maschen, wo wir uns verfuhren wie noch nie. Auf den bekannten Heiderouten ging es dann nach Süden, wo es immer einsamer, heißer, staubiger und grauer wurde, und die Luft schließlich einen sirupartigen Aggregatszustand annahm. Immerhin, bei 95 Km/h waren 30 Grad einigermaßen auszuhalten, und mehr als die Cruiser entspannt laufen zu lassen, bis die Berge in Sicht kamen, brauchten wir nicht zu tun. Wir kamen rechtzeitig an, deckten uns mit Vorräten ein, und warteten auf eine Regenfront, die nicht kam.

Sonntag hatten wir alles: Sonne satt, Benzin auch, und Straßen zum Anbeten. Den Harz in West-Ost-Richtung durchqueren, das hatten wir lange nicht, und das ist tagfüllender als man denkt. Die umwerfende, schnelle Höhenstraße in dystopischer Kulisse im Westen, winkelige Kurven im Osten. Außer uns waren praktisch nur Bikes unterwegs, eine perfekte Welt. Es blieb Zeit für Exkursionen, z.B. einen Umweg durchs Bodetal. Oder die Stadt Sangerhausen, ganz am Ende im Südosten. Dort werden alle Vorurteile übertroffen. In goldenem Gegenlicht ging es durchs südliche Vorland zurück. Selbst das schnörkellose Stück Bundesstraße nach Sonderhausen wurde warmen Celluloidllook zum Highway. Als Showdown kam noch ein Umweg über den Sonnenstein, dann fuhren wir nach Hattdorf und bestellten Döner.

Ein freier Montag um nach Hamburg zu cruisen, daraus ließ sich was machen. Die Bergrennstrecke nach Claustal in der Morgenfrische, kurvig und flott nach Braunlage, Zwischenstopp bei Kucki, und Fotoshooting der Harzbahn in Drei Annen. Bis dahin waren es unfassbar gute Fahrten, voller Genuss und immer wieder mit Staunen, und es ging gerade erst los. Wir kurvten runter nach Wernigerode, ließen die Berge hinter uns und suchten uns eine unterhaltsame Route über den Huy, nach Möglichkeit autofrei östlich an Wolfsburg vorbei. Das klappte ganz gut und wir genossen es auch, mal freies Feld und Geraden zum Gleiten zu haben, dazu klare Luft zum Durchatmen. Es war Montag, aber davon war in der Fläche nichts zu spüren. Über Bodenteich und Uelzen ging die Route in vertrautes Gebiet über. Die besten Heidestrecken waren dabei, z.B. die von Eimke über Wriedel nach Amelinghausen. So war das bis zum Schluss kein Heimweg, sondern Tag 3 eines rauschenden Kilometerfests.




Sonntag, 13. August 2023

Wo niemand war.

Anja hatte konkrete Vorstellungen: McPom sollte es sein, auf kleinen Wegen. Das passte mir gut. Ich programmierte im kürzeste-Route Modus, wir füllten die Wasserflaschen auf und starteten die Hondas. Zunächst bretterten wir auf der Autobahn bis zur Grenze bei Gudow, die restliche Strecke war der totale Gegensatz. Hinter Kittlitz begann das Dorf-zu-Dorf Abenteuer. Verwunschene Plattenwege durchs Gebüsch, oder am Rande riesiger Felder, die meisten schon abgeerntet, oder gerade dabei. Das Grün der dicken Alleen wucherte als wäre Frühling, darunter knorpeliger Asphalt und summende Sommerwärme. Wenn mal wieder ein Stück Gravel kam, kommentierten wir es schon nicht mehr. Aber eine freie Landstraße zum Durchatmen zwischendurch nahmen wir dankbar an. Auf diese Weise kamen wir bis die Naherholungszone von Schwerin, umrundeten den See und erkundeten die weitläufige Leere einer Schweriner Plattenbausiedlung. Gleich nebenan ging es wieder durchs Dickicht, auf Landstraßen und mehr oder weniger gesperrten Waldwegen, wo niemand war, außer vielleicht einer lässigen Gruppe Simson-Freaks. Irgendwann war Spätnachmittag und unmerklich tauchten wieder vertraute Orte auf auf den Wegweisern auf. Wir nahmen noch die Deichstraße für das letzte Stück, alles andere wäre würdelos. Wir waren müde und total erfüllt von diesem Tag.





Sonntag, 6. August 2023

Milch und Honig

Der Sonntag war am Nachmittag gar nicht so übel. Wir hatten beide das Bedürfnis, mal wieder durch die Nordheide zu cruisen, ohne großes Konzept, einfach nur so, cruisen halt. Das ging gut los, die bekannte Strecke von Holtorfsloh nach Bispingen ist immer wieder unschlagbar, wenn man sie für sich allein hat. Beim Kaffee tauchten 2 Gewitterzellen auf dem Radarschirm auf. Mit einer harmlosen Planänderung würden wir aber ganz elegant zwischen ihnen durchflutschen und ins nördliche Land aus Milch und Honig gelangen. Das klappte nur so halb. Die Zellen hatten sich verbunden, aber zumindest gab es bei Winsen eine Stelle, wenn man da zu einem genau berechneten Zeitpunkt entschlossen durchstach, dann wäre es nichts als ein kurzer leichter Schauer. Irrerweise funktionierte diese Strategie. Fröstelnd, aber weitgehend trocken und total von uns selbst überzeugt erreichten wir sicheres Terrain.



Samstag, 5. August 2023

Wellness

Am Freitagnachmittag allein nach Hörden aufbrechen, das geht, mit der richtigen Einstellung und wenn man weiß wie. Die Autobahn überließ ich auf dem ersten Stück den Vierrädrigen, die sich dort im Stau genügsam aufreihten. Meine 500X rauschte auf der B3 nach Süden, Die Schauerzelle über Soltau würde rechnerisch rechtzeitig abziehen, und tat dies auch. Auf Nass juckelte ich das letzte Ende bis Fallingbostel, ab dort war die BAB frei, und ich auch. Mit jedem Kilometer lichtete sich der Himmel und der Verkehr, und die Mühsal transformierte zu einer Art Wellness bei 130 Km/h und Rückenwind. Gut gelaunt bog ich irgendwo bei Bockenem ab und schmiss mich in die ersten Kurven. Durchs Innerstetal kam ich in die Herzberge. Es war früher Abend, die Sonne schien und beim Edeka gab es Frikadellen. Dazu einfach Kartoffelsalat und eine Dose Bier, ich war allein.

Morgens zwitscherten die Vögel und ich studierte den Wetterverlauf. Es war besser, heute schon zurück zu fahren, aber bitte mit maximalem Umweg. Ich war allein, alles war möglich. In der Vormittagsfrische ging es durchs Eichsfeld bis in Sichtweite des Thüringer Waldes. Niemand außer mir war auf den Straßen, und das ging praktisch den ganzen Tag so weiter. In der Nähe von Witzenhausen kam ich über die Grenze, kurvte weiter durchs Werratal bis ins Wesergebirge. Im Tomtom hatte ich eine Strecke abseits der Hauptrouten programmiert. Orientierungslos und glücklich gab ich mich den saften Schwüngen, Wäldern und Wiesen hin, durchfuhr Orte, die freundlich und unbedeutend kamen und gingen. Im Rückspiegel sah ich manchmal Regenschauer, doch ich schaute nach vorn. Dort, in der Nähe vom Steinhuder Meer, war etwas Verkehr und die Ödnis der Tiefebene schon spürbar. Schneverdingen, das war schon fast Heimat. Sehr entspannt kam in in Hamburg an, wo ich von 3 Künstlerinnen empfangen wurde, die mich als Held feierten.



Sonntag, 30. Juli 2023

Rechnen

Am Sonntag war das Zeitfenster noch schmaler, und ich würde es nicht vorbeiziehen lassen. Gleich nach dem Frühstück kickte ich die SR an und ließ sie durch die verschlafene Stadt schnurren. Rechnerisch konnte ich am Elbdeich entlang und über den Sachsenwald zurück fahren, bevor die Regenfront eintraf. Tatsächlich fuhr ich weiter bis Geesthacht, weil es so schön alleine auf der Straße war und Rückenwind hatte. Auf der anderen Seite ging es mit Gegenwind zurück, frisch, und irgendwie kernig. Ab und zu hielt ich an um das Radar zu kontrollieren. Die Front hatte Verspätung, so dass ich immer neue Umwege durchs undurchdringliche Straßenwirrwar südlich von Harburg dazuprogrammierte, und schließlich in Heimfeld auf die Hafenroute kam. Es war noch früh, der Tag konnte kommen und die Front von mir aus auch.



Samstag, 29. Juli 2023

Fahrplan

Die Arbeit mit Zeitfenstern wurde im Juli überlebenswichtig. Am Samstagmorgen bastelten wir mit Blick aufs Radar, die Uhr, und die Straßenkarte einen sinnvoll dastehenden Plan zusammen. Persönliche Befindlichkeiten hatten sich unterzuordnen. Da das Schönwetterloch aus Westen kam, fuhren wir ihm entgegen, und zwar auf der Autobahn bis Elmshorn. Die ungewöhnliche Richtung brachte uns in Regionen, die wir nur selten zu sehen bekommen. Itzehoe zum Beispiel ist und bleibt eine fremde Welt. Das Land drumrum ist anders, der Wind weht rau, die Wolken silbrig und schwer. Das hatte was, und wir änderten mehrfach die Routenprogrammierung. Zu dem idyllische Sträßchen am Stördeich entlang konnte besonders Anja nicht nein sagen. Als wir bei Glückstadt an auf die Hauptstraße trafen, kamen vom Atlantik schon immer dickere Wolkenberge. Wir nahmen ein Picknick im Stehen, spürten aber schon den Sog in die sichere Stadt. Uetersen, Appen, Schenefeld, mit schönem Schwung und perfektem Timing. Mit dem Garagentor schloss sich das Zeitfenster. Gute Planung ist alles.



Samstag, 22. Juli 2023

Die Rettung

Immer dann, wenn die Zeitfenster für die großen Taten zu schmal sind, oder die Pläne zu klein, oder es einfach ein heißer Juliabend ist, kicke ich die SR an und lasse sie lautlos durch die Stadt schnurren, oder  deren engsten Kreis. Manchmal im T-Shirt, mit Sonnenbrille, auf jeden Fall immer mit Stil. In der Ferienzeit ist die Stadt traumhaft leer wie im schönsten Lockdown. Zumal Abends, wenn die Hiergebliebenen vor der Glotze hängen oder sich besaufen. An manchen Tagen ziehen Schauer durch, und es bleibt nur eine Stunde. Selbst wenn ich es nicht mal bis zum Zollenspieker schaffe, diese Yamaha rettet den Tag.



Große Pläne

Große Pläne, ein freier Freitag, unterwegs nach Hörden. Leider etwas verkatert, und vor allem ohne den Schlüssel, was wir erst in Hittfeld beim Durchgehen der Checkliste über Funk feststellten. Autobahn zurück, alles auf Anfang. Zweiter Versuch, diesmal kurz vor Buchholz, kein guter Himmel voraus. Die graue Wand war eine massive Schauerzelle über Soltau. Je länger wir das Radar studierten, umso mehr Zellen formierten sich zu einem undurchdringlichen Labyrinth auf dem Weg nach Süden. Pragmatisch planten wir den Abbruch. Den Rest des Tages verbrachten wir in einem letzten Sommerloch, das sich über der Nordheide bis zum frühen Abend hielt. Ich fuhr meist teilnahmslos dem TomTom hinterher, was dazu führte, dass mir viele der bekannten Speckgürtelstrecken unbekannt erschienen, sich anfühlten wir eine Entdeckungsreise. In Stelle fuhren wir beim Edeka vor und beluden das Schreckliche Topcase mit Doraden, das erzeugte authentisches Urlaubsfeeling im Nahbereich. Die Sonne drückte, am Horizont drohten die nächsten Zellen. Mit fast leeren Tank kurvten wir nach Hause uns heizten den Grill an.



Sonntag, 16. Juli 2023

Umwege

Anja hatte es verdient, ein Kontrastprogramm: Als Honda-Duo ging es im Kürzeste-Route-Modus in den Südwesten von McPom. Der Weg dorthin war eher blöd, durch Barmbek und Bergedorf, aber mit Rückenwind und unbeschwert. Im Zielgebiet war es genau so, wie man es sich wünscht für eine wendige 500er: Plattenwege durchs Gebüsch, dunkle Alleen und staubige Felder im Hinterhof von McPom, dazu befreiende Menschenleere. Man wundert sich über die ergiebigen, langen Strecken im Nirgendwo zwischen der B195 und B5. Lübtheen tauchte auf wie eine Großstadt. Dann wieder Wildnis. In der Nähe von Kaarßen kamen wir in die Elbauen. Hitze brütete, wir ruhten uns im Wind auf dem Deich aus. Zusammen mit einem Harleypäärchen machten wir uns auf einen willkommenen Umweg nach Darchau, zu einer alternativen Fähre, die angeblich nicht auf einer Sandbank fest saß. Auf der Elbuferstraße ging es entspannt in den langen, lauen Abend. Es folgte Geesthacht, die Deichstraße, halb 9 die Stadt. Bis in die Nacht schwärmten wir von dem Tag.





Samstag, 15. Juli 2023

Zeitfenster

In der Theorie gab es ein Zeitfenster bis Mitte Nachmittag. Ideal zum allein Cruisen. Ohne Störungen sollte eine großzügige Highwayrunde drin sein, sagte das Beeline. So locker, dass ich am Anfang einen Zwischenstop beim Harleyfritzen in Seevetal einbaute und beinahe eine Softail Standard Probe gefahren wäre. Danach ging es gedankenverloren auf den Langen Geraden nach Süden. Je weiter desto alleiner, desto besser. Heiße Luft zog durch den Hoodie, die Bolt rollte im Fünften dahin, das hätte endlos so weiter gehen können. Wäre es auch, aber aus Westen kam mehr Suppe angeschoben als geplant. In Bergen bekam ich Angst und strich den südwestlichen Teil der Route unbemerkt weg, drehte auf die B3 nach Norden. Das ging gut, aber Regen kam nicht, bzw. verlief parallel. Die Rosengartenstraße nahm ich noch mit, dann den Hafen und ab nach Hause. Das Zeitfenster schloss sich, aber die Sonne schien noch rein.



Sonntag, 9. Juli 2023

Insider

Den ersten Teil der Strecke erlebte ich träge und irgendwie verkatert. Dabei war viel Diskussion und Planung in das Vorhaben eingeflossen, gemeinsam der drohenden Gluthitze zu entfliehen, und zwar im frischen Wind der östlichen Ostsee, dem kältesten Ort der Republik. Kilometer flogen, irgendwo kam eine Pause, ein Brötchen, Klarheit. Wir kreuzten durch gelbe, heiße Felder in Mecklenburg, es ging durch Gadebusch, Mühlen-Eichsen dann nördlich ohne Verkehrsstörung nach Wismar. Dort checkten wir mitten in der Altstadt ein, ließen die Jacken zurück und fuhren über den Damm nach Poel, wobei wir versuchten auszurechnen, wann wir das letzte Mal hier waren. Jahrzehnte. Durch Insiderwissen kannte ich den Weg zu Off-Stränden, die nur Einheimische kennen. Letztere waren leicht auszumachen, unförmig und ohne Badehosen. Der Strand lag im Windschatten und war nur anderthalb Meter breit. Das Wasser war flach, aber hey, es war kühl und vor allem vorhanden! In Wismar war es lange hell, aber die Küche schließt um 21 Uhr. Osten bleibt Osten.

Sonntag probierten wir den anderen Insiderstrand aus, am Ende eines Plattenweges. Auch hier wieder nackte Ossipimmel und Hunde, aber mehr Sand, und eine angenehme Brise vom Meer. Umso massiver die Hitze, die auf der Rückfahrt über dem Land lag. Entgegen aller Erwartungen cruisten wir fast allein über die Highways auf die sengende Nachmittagssonne zu. Grevesmühlen war nicht weit, und beim Eiskaffee programmierte ich einen herrlichen Umweg durch warme Luft über Schönberg, Ratzeburg, und dann weiter in den Westen, bis Zarpen, wo wir auf die Minute pünktlich ankamen und bestens begrillt wurden. Das hätte richtig gemütlich werden können, wenn ich nicht zufällig auf dem Radar die anrückende Gewitterfront entdeckt hätte. Autobahn, das ging ganz fluffig, wir waren safe. In uns glühte der gesamte Sommer.



Sonntag, 2. Juli 2023

Gesamtkunstwerk

Rendsburg hin und zurück, das macht man nur, wenn es was zu gucken gibt. Tatsächlich ist die Nordart ein bewährtes Ziel, aber auch die Strecke, die man eher selten fährt, hat was. Es war stürmisch aus Westen, so dass ich aus Angst die 500X nahm. Anja fuhr die Rebel und blieb cool. Auf der B4, und weiter im Norden auf der Route Bad Bramstedt, Aukrug, Jevenstedt musste man aufpassen, nicht von der Allee gefegt zu werden. Am Ziel guckten wir Kunst bis zur Erschöpfung und uns war schon mulmig vor der Rückfahrt. Unnötig, die Fahrt war easy, das Licht spektakulär, und alles war ein Gesamtkunstwerk.



Sonntag, 25. Juni 2023

Sommerurlaub

Ein Sommertag war noch übrig, mit allem Drum und Dran, was wir auskosteten. Ich kickte die SR an, Anja schnallte die Strandtasche auf die Rebel. In leichter Klamotte hangelten wir uns nordöstlich aus der Stadt raus und kurvten auf Nebenstrecken über Trittau nach Mölln. Von dort ging es hinten rum über Ratzeburg nach Schönberg und schließlich den Strand von Brook. Eine klassische Route, doch es schien ewig her zu sein. Warmer Wind durchzog meinen total sicheren Hoodie, die SR bestimmte ein bummeliges Tempo am Sweetspot, was endlos Raum bot, diesen Tag zu bewundern. Ein Badegang reichte, gegen 18 Uhr machten wir uns auf den Weg Richtung Lübeck, auf einen amtlichen Döner mit Draußensitzen spekulierend. Irgendwie ergab sich das nicht, und in jedem Dorf entlang der fantastischen Strecke Kronsforde-Kastorf-Schönberg (das andere) hielten wir vergeblich Ausschau. Alles war dominiert von einem idealisierten Sommerfeeling, mit goldbraunem Sonnenbrillenlicht, Sonnencreme auf der Haut und Sand in der Unterhose. Wir kamen um 21 Uhr in Hamburg an, die Sonne stand himmelhoch über der Alster. Am Schlump hatte ein Döner auf. Wir hielten an und hatten immer noch einen kleinen Rest Urlaub.



Samstag, 24. Juni 2023

Würde und Freiheit

Die Sonne war dieselbe, aber das Land war sehr anders. Alles war weitläufig und ruhig wie noch nie. Die Rebel und die Bolt waren drahtig und leicht, und cruisende Fortbewegung war die unstrittig legitime Form, die Schönheit der Heimat zu würdigen. Auf der B195 waren wir wieder einsam unterwegs. Wir hatten Funk, aber es gab nicht viel zu besprechen. Ein heißer Nachmittag in den gelbtrockenen Elbauen zog mit 90 Sachen vorbei. Auf einer Buhne kurz vor Dömitz hielten wir ein träges Stündchen lang die Füße ins Wasser und holten uns den ersten Sonnenbrand. Es ging auf der anderen Elbseite zurück, dankbar ein paar Umleitungen folgend, immer froh wenn es durch einen kühlen Wald ging, und voller Hochhachtung vor so viel Zeit und dieser endlosen Freiheit. Müde wie die gesamte Stadt kamen wir zurück, und freuten uns schon auf morgen.



Freitag, 23. Juni 2023

Porto frei

Ein kleines Stück mit dem Airbus ließ sich verargumentieren. In Porto holten eine kräftige BMW F750GS bei Northroad ab, beluden sie bis zum Gehtnichtmehr und hatten 10 Tage lang die unschlagbarsten Straßen Portugals für uns alleine. Wilde Grenzberge an der Nordgrenze, unfassbar abwechslungsreiche Touren über Panoramaautobahnen und Eselspfade, und alpine Aussichten in der Serra Estrela. Ein endloser Kurvenrausch, dem Anja, ich und die GS uns hingaben. Zur Auflockerung gab es warme Abende in alten Gassen, Tintenfisch, Monte Velho und unterwegs mal ein Tosta Mista. Am Ende war sogar noch ein Strandtag übrig. Das waren nicht mal 2000 Kilometer, aber als wir zu Hause waren, fingen wir wieder bei 0 an.


Ausführlicher Bericht folgt.

Sonntag, 4. Juni 2023

Ein Wunder

Von Strukdorf aus ging es in vertrauter Zweisamkeit nach Norden durch Berlin. Gute, kleine Straßen in frischer, klarer Luft, mit Thermo First Layer. Die Strecke links am Plöner See entlang, über Blunk und Damsdorf begeistert auch heute noch. Wir fuhren die Beeline Strecke ab, ohne zu hinterfragen. Über eher nüchterne Bundesstraßen Richtung Westensee, wir waren etwas müde und anspruchslos und zufrieden. Von Emkendorf ging es improvisiert nach Rendsburg, weil dort bestimmt eine Tanke war. Die Wiese am Kanalufer kam uns ganz gelegen. Man konnte dort liegen, Schiffe gucken und einpennen. Die Rückfahrt nach Hamburg war ein weiter, westlicher Bogen, den Anja führte. Es waren sehr schöne, einsame Strecken durch die unbekannte Gegend um Nortorf. Stille Dörfer, lange Wälder und weiter Blick über die Marschflächen. Ganz unten, in in Hohenlockstedt war mein Handy nicht in der Tasche. Auch nicht im Rucksack. Weg. Albtraum. Panik. Nerven behalten. Rekapitulation, Retronavigation. Den Baum wiederfinden, wo ich gepinkelt hatte, 30 Kilometer zuvor. Nichts. Vielleicht die Wiese, von der aus ich fotografiert hatte. Stille. Dann: entferntes Nokia-Bimmeln aus hohem Gras. Ein Wunder. Danach schwebten wir, durch die Abendsonne auf der B4 nach Hause.



Samstag, 3. Juni 2023

Meine Welt

Neue Reifen sind wie ein neues Leben. Und ein Tag allein mit der Bolt hat auch was. Ich putzte sie und machte mich auf den Weg nach nirgendwo. Die Route sagte schon in der App alles. Highway 3, dann Highway 71 nach Osten. Gleiten. Das Stück zwischen Soltau und Uelzen, abseits der Ballungen, in traumhafter Leere, die einen  ausfüllt, die man nur cruisend erleben kann. Die wenigen Ortschaften durchfuhr ich abwesend, beschleunigte auf der freien Strecke nach Salzwedel wieder auf den 95 Km/h-Sweetspot und genoss das Leben. Am Tank Treff kam ich mit Einheimischen in Kontakt, aber alles schien weit weg und gehörte nicht zu meiner Welt. Es ging weiter auf z.T. absurd kleinen Landsträßchen nach Norden. Lüchow, Danneberg, über die Elbbrücke nach Dömitz. In der Nachmittagssonne ging es holprig durch McPom, dann ein kurzes Stück auf der majestätischen B5, abbiegen zur schwingenden Nebenstrecke über Zarrentin, Seedorf, Ratzeburg, Kastorf, und immer so weiter. Der Endpunkt war das Anwesen in Strukdorf. Anja war bereits da, alle anderen auch. Es gab ein Bier in Leder, und alle dachten ich müsste K.O. sein. Nope. Nur ein glücklicher Mann.


Montag, 29. Mai 2023

Atmen.

Immer noch langes Wochenende, das war gut. Und wir hatten einen Plan: Ausgiebige Tour nach Tangermünde, dort Treffen mit Thomas. Wir verließen die Stadt in sonniger Morgenfrische auf der B75, cuisten durch die Heide und verloren uns bald darauf in den Weiten des Wendlands. Sonnige, ungestörte Kilometer durch endlose Wälder und grenzenlose Flächen zogen vorbei und gaben den ersehnten Raum zum Atmen. Das Gefühl steigerte sich ins Unermessliche in der Einsamkeit der Altmark. Vollendetes Highway-Cruisen wechselte sich ab mit DDR-Holperpisten. In völliger Abwesenheit von Menschen trieben wir durch Zeit und Raum. Thomas erwartete uns im Hochsommer in Tangermünde, das in den letzten Jahren ganz groß rausgekommen war. Es gab einen würdigen Abend zu dritt, mit Motorkultur am Kay, Bier unter Bäumen, Furzwurz und Küche bis nach 9. 


Der Montag begann schon kristallklar. Thomas steuerte seine Himalayan zur zur Fähre bei Grieben, wo wir uns gegenseitig fotografierten und dann trennten. Die Bolt und die Rebel kreuzten bei Gegenwind die Strecke zurück durch die Altmark. Wieder setzte das introvertierte einatmen der gesamten grünen Fläche ein, durch die sich einsame Asphaltbänder zogen. Salzwedel, Uelzen, unbekannte, traumhafte Highways voller Freiheit. Weiter im Norden, in der Heide, spürte man den Verkehr im Dunstkreis der Metropole. Das Menschengewimmel im Eiscafé Salzhausen war Overkill, nach all den gedankenverlorenen Kilometern. Der Rest der Fahrt war Routine. Wir kamen im Schanzenviertel an, die Köpfe leer und zufrieden.

Samstag, 27. Mai 2023

Heimat

Rembert meldete sich aus dem Off, genauer gesagt aus Wismar, und er war geologisch interessiert. Ich sagte im, Boltenhagen könne er vergessen, das Brodtener Ufer sei das reelle Ding, und außerdem meine Heimat, und ein historisch bedeutender Schauplatz. Samstag, kurz nach dem Frühstück trieb ich die 500X über die Autobahn. Das Timing war so bemessen, dass ich in Lübeck noch kurz an der Lohmühle Halt machte um eine Guzzi probezusitzen, Keine halbe Stunde später rollte ich am Mövensteen vor, wo Rembert just seine Slim geparkt hatte. Das geologische Ufer war total eingewachsen und kaum zu sehen, aber der Strandspaziergang war wie das Treffen alter Freunde, obwohl er zum ersten Mal hier war. Wir nahmen die Priwallfähre und fuhren zusammen bis Grevesmühlen, wo wir uns trennten. In der Zwischenzeit war Anja aktiv geworden und kam mir mit der Rebel diagonal entgegen. Ich nahm die historische Route über Rehna, Carlow, Dechow, und dann mit Tempo die Buckelpiste östlich am Schalseee entlang, was der Honda gut gefiel. Anja fand ich mit einer Kugel Schokoladeneis in Zarrentin vor. Zusammen fuhren wir auf der B195 nach Süden und konnten uns gar nicht erinnern, wir herrlich die Strecke war. Alles war herrlich, auch das Pfingsten war und es morgen richtig los ging.




Sonntag, 21. Mai 2023

Himmelfahrer:innen

Das lange Himmelfahrtswochenende war da, und jeden Tag war ein Grad weniger auf dem Radar. Am Ende trugen wir lange Unterhosen und ich saß auf der wetterfesten 500X. Aber das Wichtige war, wir waren unterwegs. Die vielen Menschen drängten sich an den Hotspots und auf der Autobahn, dazwischen lagen endlose Weiten durch die einsame Landstraßen führten. Genau da verlief unser Weg nach Hörden. Eine Neben-Nebenroute durch die Heide bis ans südliche Ende. Kurz nach Celle kam die Stelle, von der aus das erste Mal die Berge zu sehen sind. An die konnten wir uns erinnern. Nach dem Einchecken, vor der Tagesschau , gönnten wir uns noch eine leichtfüßige 80-Kilometer Sundowner-Runde in den leeren Harz. Das ging wie ein Spaziergang, unkompliziert und umwerfend gut.

Der Samstag war kühl, aber es gab auf der anderen Seite des Leinetals einen genialen Umweg über Uslar nach Einbeck. Freier, schwingender Asphalt in wucherndem Grün, Berg und Tal in perfekter Dosis. In Einbeck besuchten wir das berühmte Museum. Das war gut, denn indem wir die Jacken anbehielten, konnten wir uns effektiv wieder aufwärmen. Die Ausstellung selbst übertraf die Erwartungen. Für die Rückfahrt nahmen wir wieder den genialen Umweg, weiteten diesen noch etwas aus, und hingen auf der anderen Seite noch eine noch einsamere Runde über die wogenden Hügel des Eichsfelds in der inzwischen wiedergekehrten Abendsonne. In Hattdorf bekommt man Dönerteller, auch gut zu wissen.

Sonntag Waren wir schon etwas unruhig schon beim Frühstück, Angst vor der anrückenden Westfront und rückreisenden Autos lastete auf allem. Um zügig auf die sichere Seite zu gelangen, programmierten wir eine besonders trostlose route über Salzgitter und Peine, die aber angenehm leer war. Auf Nebennebenstraßen nach Norden durch die Heide, mit Abstand zu jeder Zivilisation und vor allem jeglichen Autobahnumleitern. Die Fahrt war schön introvertiert aber auch interessant, zum Beispiel in Wienhausen. Mit den Kilometern kam schwere Sommerhitze. Der Regen kam nicht. Autos auch nicht, nur manchmal auf dem Navi blinkte es rot. Nachmittags waren wir zu Hause, in der schläfrigen Großstadt. Ich nahm mir noch kurz die SR und fuhr durchs Industriegebiet.


Sonntag, 14. Mai 2023

Honda gegen Honda

Anja hatte sich in Portugal eine Enduro gebucht, bekam beim Anblick meiner 500 X aber kalte Füße. Ein Reality-Check würde Planungssicherheit bringen. Kurzerhand tauschten wir die Hondas, ich bekam die winzige Rebel, Anja die mächtige X, welche ihr überraschend gut stand. Aus dem Beeline kam eine Dorf-zu Dorf Route nach Norden mit vielen Kurven und wenig Verkehr. Was gut war, denn die Kurven gingen fluffig aber das Anhalten auf Zehenspitzen wirkte etwas würdelos. Als wir bei Telse beim Kaffee saßen wussten beide, das eine Stornierungsemail nach Porto unumgänglich war. Wir tauschten die Hondas zurück und nahmen sehr entspannt die Rennstrecke über Hartenholm, Kaltenkirchen, Alveslohe, die zentimetergenau zwischen 2 Schauerzellen hindurchführte. Wir fühlten uns je einen Zentner leichter.



Samstag, 13. Mai 2023

Gute Zeit

Am Samstag konnte es nur ein Thema geben: Cruisen. In der Sonne, durch die Nordheide, wie in den besten Zeiten. Gegen Mittag waren wir auf der Landstraße, machten keine Experimente, ließen die Cruiser einfach durch den leuchtenden Tag rollen. In Seevetal hielten wir beim Händler und saßen diverse neue Maschinen probe, einige waren gut. Aber die Landstraßen warn besser, egal wo das Beeline uns hinführte. Frei, allein, hellgrün. Es ging bis Soltau nach Süden, dann auf der B3 zurück bis Handeloh, wo wir das Gartencafé wiederfanden, welches jetzt ein gespeicherter Wegpunkt ist. Ich programmierte noch einen genüsslichen Schlenker über die Rosengartenstraße, Hauptsache wir kamen nicht mit der Realität in Berührung. Über das Kattwyk kamen wir in die Stadt, erfüllt von Frühling und guter Zeit.



Freitag, 12. Mai 2023

Testen, testen, testen!

Freitag, Offakamp, am Flughafen entlang, ein Stück Autobahn mit 120 Sachen. Ach, da war noch ein Gang übrig! Ich rollte auf einer dreihundertsechzig Kilo schweren BMW R18 Classic durch die sommerheiße Mittagspause. Anja begleitete mich im Rückspiegel und gab mir Live-Feedback über Funk. Sie sagte, es sieht nicht so kacke aus wie erwartet, verglich mich aber gleichzeitig mit einem Cop. Nach ein paar Kilometern hatte ich die Ramme einigermaßen im Griff und konnte mich auf das Gefühl einlassen. Ja, das Ding ist stark, aber die ersehnten Allmachtsfantasien bleiben aus, auch die Testosteronproduktion blieb unterkritisch. Es war ein schönes, gleitendes Fahrerlebnis. Testen ist wichtig. Ich brachte sie zurück, wechselte auf die Bolt, und war wieder der Outlaw, für den ich mich hielt.



Sonntag, 7. Mai 2023

Schiffe gucken

Am späteren Nachmittag war noch genug da: Licht, ein warmer Frühling, und Schiffe im Hafen zum gucken. Ein Job für die SR und die Rebel auf kleiner Fahrt. Unbeschwert und unter Umfahrung aller Staus ging es über die bekannten Hafenrouten nach Finkenwerder, dann mit Rückenwind der Sonne in Grünendeich entgegen. Am Bikertreff parkten wir fotogen, wobei die glänzende Yamaha sogleich zum Mittelpunkt des allgemeinen Interesses wurde. Gut: Aus kleingeistiger Imbissbuden-Tristesse ist inzwischen eine nahezu coole Food Truck Area geworden. Wir positionierten uns, indem wir vegane Falafel bestellten. Hoffend auf Schiffe saßen Wir noch eine Weile auf dem Deich, aber es kam keins von Belang. Auf der Rückfahrt hatten wie den Wind im Gesicht, das passte, und fühlte sich gut an.


Samstag, 6. Mai 2023

Fantasien

Auf dem Bildschirm waren unten links 17° (orange), die Fantasie brannte durch. Nur eine Wolkendecke musste unterquert werden, dann, in der Ödnis des Südwestens, müssten Milch, Honig und Sommersonne erreichbar sein, Übermütig programmierte ich eine bombastische Tour quer durch das Dreieck Buxtehude, Lilienthal und Bremervörde. Wolkenstreifen war dick und nach kurzer Fahrt begann die Kälte zu kriechen. Die Bolt zog einsam ihre Bahn auf den windigen Birkenalleen, dann, hinter Zeven war es tatsächlich sonnig. Leider war ich da bereits total durchgefroren, und 17 Grad waren das nie und nimmer. Ich kam auf langen, geraden, kalten Landstraßen in Worpswede an, hatte überhaupt keinen Bock auf kitschige Kunst und auch nicht auf einen Kaffee im Einkaufszentrum. Ich wollte nach Hause, in die Wanne. Die große Tour hatte ich längst gelöscht, ab Zeven war die Sonne wieder weg, im alten Land blühten grau die Apfelbäume und ich zählte die Kilometer.



Montag, 1. Mai 2023

Komm nach Kühsen!

Tag der Arbeit, das ließen wir uns nicht zweimal sagen. Die Fahrt von vorgestern konnten wir als Blaupause nehmen, denn es gab eine Verabredung im Herzogtum Lauenburg. Neu war eine lederjackenkompatible Vorhersage, und dazu passte einfach die SR. Anja transportierte mehrere Kanister Olivenöl an der Sisibar der Rebel. Die Route ging wieder kleinteilig Richtung von Dorf zu Dorf, selten mit über 80 Sachen, wozu auch! Unser Ziel war trotzdem zu schnell erreicht, so dass wir noch einen Umweg über nie gesehene Strecke zwischen Alt-Mölln und Hammer einbauten. Hammer. Der Treffpunkt mit Horst und Sabine war der Treckertreff in Kühsen. Eine umwerfende Szenerie aus stampfenden Lanz Bulldogs, Schlüters und Porsches, dazu Dorfjugend einer anderen Zeit. Im Café in Anker brannte die Sonne, die SR blitzte darin und war schön. Wir ließen uns zurück über das Land im Gegenlicht treiben. Unter jeder Wolke gefror die Luft, doch das merkten wir nicht.



Samstag, 29. April 2023

Panorama

Bürgerkäfige verstopften die Stadt, da der Elbtunnel gesperrt war aber unsere Vierrädrigen Freunde trotzdem in der Republik herumfahren wollten. Für uns ergab sich daraus eine zwar zwangsläufige, aber interessante und schöne Fahrt nach Nordosten. Das Vio im Cockpit der 500X führte uns durch Barmbek und Farmsen, überraschend geschmeidig. Hinter Stapelfeld öffnete sich das Land und wir schwangen bei kühlem Sonnenschein und strammen Nordwind durch die leere Landschaft. Ich hatte den 'kürzeste Route' Mode eingestellt, was auch heute noch immer wieder ungeahnte Verbindungen und neue Perspektiven in bekanntem Gebiet bringt. Nebenstraßen durch die Feldmark, null Verkehr, genau richtig. In Mölln hatten wir uns eine Eiskugel  verdient und einen Milchkaffee, sowie eine Genussrunde durchs  Hinterland über Sterley, Seedorf und Schmilau. Dort, und auch auf der genial gelegten Rücktour über Panten, Koberg, Linau, waren wir überwältigt von den Landschaftpanoramen im ersten, halbtransparenten Frühlingsflirr, und beinahe mittelgebirgigen Kurvenstraßen. Ich war außerdem froh über den Windschutz meines Adventure Bikes, und fuhr auf den letzten Kilometern mit Heizgriffen, Anja fuhr ihren Cruiser in Sommerjacke und hielt mich für einen Waschlappen.



Montag, 24. April 2023

Aprilfrisch

Die Hitzewelle war weiter gezogen, Thomas auch. Was blieb, war ein blendender, aprilfrischer Sonntag, ein Marathonlauf, der die halbe Stadt sperrte, und ein Zeitfenster bis zum Nachmittag. Gute Rahmenbedingungen für eine kleine, feine, nördliche Ausfahrt mit der SR und der Rebel. Die Route ging durch bekanntes Gebiet, aber wir fuhren dem Beeline hinterher wie Touristen. Versteckte kleine Kurvensträßchen, wilde Flüsschentälchen und blühende Alleen wechselten sich ab, so dass wir staunten. Es ging von der B432 aus nach Westen über Öring durchs Dickicht Richtung Lentförden. Von da weiter bis Barmstedt, das Tempo mitten im Sweetspot, die Strecke immer wieder anders und total flüssig. Im Süden sah man schon die Wolkenmasse, wir nahmen die B4, erreichten ohne Eile die rettende Garage und fanden es super dass man so leicht zufrieden sein kann.



Samstag, 22. April 2023

Big Bang

Mit einem gewaltigen Knall kam ein Frühsommertag aus der Kälte. Gleichzeitig traf Thomas mit dem Bus aus der Hauptstadt ein. Er wurde von uns mit der Gästehonda und Tourenjacke ausgestattet und begleitete uns auf einer sogfältig kuratierten Route. Ansonsten waren wir eher schlecht vorbereitet, hatten noch über taugliche Kleidung und Wetterschutz diskutiert. Gleich auf den ersten Metern durch die Schanze war es viel zu heiß. Das änderte sich auch in der Nordheide nicht, ein Südöstlicher Wind schob unablässlich heiße Luft nach. Das Jackenfutter konnte man rausnehmen, aber gegen die Thermounterwäsche half nur, den Fahrtwind nicht abbrechen zu lassen. Das gelang gut mit 90 Sachen auf freien Landstraßen durch ersten Grünschleier im Gegenlicht. bis zu der Sperrung, wo jemand aus der Kurve geflogen war. Wir bogen ab, fuhren extra vorsichtig über Undeloh und Handeloh, wo wir in einem Gartencafé die Route updateten. Es kam ein experimenteller Bogen westlich der B3, mit einsamen, schönen Strecken, z.B. durch die Wümmeniederung, die niemand kennt. Der Endpunkt war der Apfelautomat im Alten Land. Den Rest fuhr ich ohne Handschuhe, über die Köhlbrandbrücke zurück in die Menschenmasse der Stadt. Wir beschwerten uns über gar nix und zogen uns an den Grill zurück.



Montag, 10. April 2023

Luftschloss

Wir hatten extra den Frühzug nach Hause genommen, um am Ostermontag die ersten 17° des Jahres im Sattel abzufeiern. Ich fand, das war ein SR-Tag, mit Lederjacke und Jeans. Anja hatte auch Kleinteiliges im Sinn, und so tuckerten wie erstmal die Deichstraße Richtung Geesthacht entlang. Nach kurzer Zeit wurde klar, dass die Vorhersage nicht ansatzweise der Realität standhielt. Aus Südosten kam ein eisig schneidender Wind, dem die Jacke absolut nichts entgegenzusetzen hatte, und der das Luftschloss der programmierten "kleinen McPom-Runde" ins All fegte. Alle Hoffnung lastete nun auf der These, die Picknickstelle in Barförde, die wir nicht vergessen hatten, könnte im Windschatten des Deiches liegen. Lag sie. Wir lagen dort rum (mit Jacke), lasen ein Buch und aus Dresden kamen Dampfer. Zurück hatten wir Rückenwind, und es fuhr sich wie Butter. Das änderte aber nichts an dem Sog, mit dem die Idee eines heißes Bades mich nach Hause zog.





Freitag, 7. April 2023

Starter.

Das einzig Gute am Saisonkennzeichen ist, dass es dadurch einen formellen Saisonstart gibt. Zumindest für die Bolt. Anja feierte auf der Rebel mit. Die Maschinen fanden das Getue albern. Sie gingen an wie gestern abgestellt. Die Rebel hatte nicht einmal Luft verloren, wie sich an der Jet Tanke Feldstraße zeigte. Anhand der Wetterkarte nahmen wir einen nicht zu groß gedachten westlichen Kurs, dort sollten stabile Sonnenstrahlen sein an diesem ansonsten spätwinterlichen Karfreitag. Das, und überhaupt alles, rückte in den Hintergrund, als wir uns auf freier Strecke befanden und die Cruiser über das Land segeln ließen. Das Gefühl war sofort so wieder da, als hätte es nie eine Unterbrechung gegeben. Winter erschien wie eine absurdes, abwegiges Konzept. Es lag vielleicht auch an den warmen (z.T. beheizten!) Sachen, dass wir in Kollmar mit überzeugender Lässigkeit vorfuhren. Wir parkten etwas abseits, damit keiner die Staubschicht sah. Auf dem Rückweg zogen Wolken über Rellingen auf und brachte die vertraute, fahle Kälte zurück. Die Lässigkeit blieb.



Sonntag, 19. März 2023

Illegal

Ben tauchte im Chat auf und hatte was vor. Keine Stunde später hörte ich das Brummen einer frisierten Dax. Damit war, das hatte ich ihm im Vorfeld versichert, gute Kompatibilität mit der Performance der SR gegeben, und eine kleinteilige Nachmittagsausfahrt war das Ding. Es ging über die Freihafenelbbrücke, dann die bekannte Route über die Hohe Schaar bis nach Harburg. Dort wurde es kriminell: Die riesigen Industrieruinen am Eingang zum Hafen beinhalten Graffiti und Streetart vom Feinsten, und en masse, was natürlich nur sieht wer dort drin ist, total illegal. Wir warteten einen Regenschauer ab und fuhren zurück,  wobei mir die Aufgabe zufiel, von der SR aus die Höchstgeschwindigkeit der Dax messen, deren Tacho ging nämlich nur bis 70. Kein Kommentar. Dann kam noch ein Schauer, und dem konnten wir nicht ganz entkommen. Später rollten wir ins Schanzenviertel ein und waren echte Draufgänger. Kurze, männliche Verabschiedung an der Kreuzung, dann fuhr ich auf direktem Weg zum Kärcher, um schnell die SR zu waschen.



Samstag, 18. März 2023

Zeitenwende

Gerade als Anja sich in Schottland von Dudelsäcken foltern ließ, kam ein Tag wie eine Zeitenwende. Satt zweistellig, taghell und sauber. Kick, Kick, die SR lief. Als hätte ich sie nur kurz für einen Kaffee abgestellt. Die Staubschicht sah keiner, die Lederjacke saß, und beim Schaulaufen durch die Schanze dachte ich umdrehen zu müssen, um die viel zu warme Thermounterwäsche wieder loszuwerden. Ich behielt sie an, weil ich Großes vorhatte: Zunächst auf bekannten Wegen zum Apfelautomat im Alten Land. Dann, unendlich frei atmend, lange Stücke auf der pastell-sonnigen B3 bis Welle, dort abbiegend in die ockerfarbene Heide. Alles war perfekt, die Maschine schnurrte mit 85 Sachen durch die sanfte Kühle. Ich hatte noch Virusreste in mir, und überließ sie Fahrtwind, zum Mitnehmen. Die Strecke über Undeloh, hoch nach Holtorfsloh und schließlich Stelle teilte ich mit mit freundlich grüßenden Bikern, störende Autos waren selten. Zurück in der Stadt traf ich auf die Fußgänger, sie liefen aufgescheucht umher. Ich parkte die SR liebevoll in der Garage. Sie wird dort warten auf den nächsten Kick.



Sonntag, 8. Januar 2023

Randbereich

Wintertage mit 10°C sind absolut innerhalb der Komfortzone. Ich war trotzdem etwas ängstlich und strickte am Tomtom eine sichere Kirchturmfahrt zusammen, die jedes Restrisiko vermied. Sie führte im Bummeltempo durch den Hafen nach Harburg, und dort zunächst durch ein Wohngebiet gefolgt von Bergwäldern, die sonst allenfalls Naherholende sehen (welche auch im Überfluss vorhanden waren). Auf dem südöstlichen Bogen Richtung Meckelfeld war ab und zu auch ein Stückchen befreiende Landstraße dabei, aber das Tempo blieb durchweg zweistellig. Über Over kam ich zurück auf die Elbinseln, dort improvisierte ich durch den diffusen Randbereich zwischen Marsch und Industriegebiet. Niemand war unterwegs außer mir, ich musste mich um nichts kümmern, außer rechtzeitig bei einer warmen Suppe zu sein, kurz bevor die Füße kalt wurden.



Sonntag, 1. Januar 2023

Reset

Am Neujahr kam Licht und Milde, als hätte jemand auf den Reset-Knopf gedrückt. Wir gaben uns der Illusion bedingungslos hin, indem wir uns, nach länglicher Diskussion über die Fahrzeugwahl, mit der 500X dorthin fuhren, wo der neue Wind herkam. Das war irgendwo weit im Westen, in der Marsch hinter Wilster. Zerstreute Sonne strich gelb und schräg über die leeren Weiten, durch die wir staunend auf Nebenstraßen rollten, den Moment absorbierten und nichts hinterfragten. Der Bogen spannte sich bis kurz vor Itzehoe, in Glückstadt schauten wir dem großen Fluss nach. Auf dem Weg nach Elmshorn schaltete ich die Heizgriffe ein, dann ging es auf der Autobahn zurück in die Dunkelheit. Das war okay, denn wir hatten das Licht gesehen.