Langes Wochenende - ab nach Hörden. Das könnte inzwischen Routine sein, aber dieses Abenteuer begann z.B. gleich am Rangierbahnhof Maschen, wo wir uns verfuhren wie noch nie. Auf den bekannten Heiderouten ging es dann nach Süden, wo es immer einsamer, heißer, staubiger und grauer wurde, und die Luft schließlich einen sirupartigen Aggregatszustand annahm. Immerhin, bei 95 Km/h waren 30 Grad einigermaßen auszuhalten, und mehr als die Cruiser entspannt laufen zu lassen, bis die Berge in Sicht kamen, brauchten wir nicht zu tun. Wir kamen rechtzeitig an, deckten uns mit Vorräten ein, und warteten auf eine Regenfront, die nicht kam.
Sonntag hatten wir alles: Sonne satt, Benzin auch, und Straßen zum Anbeten. Den Harz in West-Ost-Richtung durchqueren, das hatten wir lange nicht, und das ist tagfüllender als man denkt. Die umwerfende, schnelle Höhenstraße in dystopischer Kulisse im Westen, winkelige Kurven im Osten. Außer uns waren praktisch nur Bikes unterwegs, eine perfekte Welt. Es blieb Zeit für Exkursionen, z.B. einen Umweg durchs Bodetal. Oder die Stadt Sangerhausen, ganz am Ende im Südosten. Dort werden alle Vorurteile übertroffen. In goldenem Gegenlicht ging es durchs südliche Vorland zurück. Selbst das schnörkellose Stück Bundesstraße nach Sonderhausen wurde warmen Celluloidllook zum Highway. Als Showdown kam noch ein Umweg über den Sonnenstein, dann fuhren wir nach Hattdorf und bestellten Döner.

Ein freier Montag um nach Hamburg zu cruisen, daraus ließ sich was machen. Die Bergrennstrecke nach Claustal in der Morgenfrische, kurvig und flott nach Braunlage, Zwischenstopp bei Kucki, und Fotoshooting der Harzbahn in Drei Annen. Bis dahin waren es unfassbar gute Fahrten, voller Genuss und immer wieder mit Staunen, und es ging gerade erst los. Wir kurvten runter nach Wernigerode, ließen die Berge hinter uns und suchten uns eine unterhaltsame Route über den Huy, nach Möglichkeit autofrei östlich an Wolfsburg vorbei. Das klappte ganz gut und wir genossen es auch, mal freies Feld und Geraden zum Gleiten zu haben, dazu klare Luft zum Durchatmen. Es war Montag, aber davon war in der Fläche nichts zu spüren. Über Bodenteich und Uelzen ging die Route in vertrautes Gebiet über. Die besten Heidestrecken waren dabei, z.B. die von Eimke über Wriedel nach Amelinghausen. So war das bis zum Schluss kein Heimweg, sondern Tag 3 eines rauschenden Kilometerfests.