20 Jahre !!!

20 Jahre !!!

Montag, 30. Dezember 2019

Die Krönung

Das erste Mal im Jahr waren wir mit Marcus unterwegs, als ehrwürdiges Dream-Team in strahlender Dezemberkälte. Und erstmalig mit wieder kompatiblem Mopeds. Marcus' historische G/S hat alle Zeiten überdauert. Es ist okay, dass sie an der Ampel nach Schweröl riecht. Es war auch okay, dass wir nur die üblichen Routen durch den Hafen fuhren, die weder Anja noch Marcus behalten können, so dass ich jedes Mal damit glänzen kann. Die Krönung war die Einkehr im Autohof Altenwerder. Zwischen massiven LKW-Kolonnen gibt es rustikale Gemütlichkeit. Wir löffelten Gulaschsuppe der Spitzenklasse, bis die Finger wieder warm waren. Es gab noch einen kurzen Moment rosafarbener Dämmerung, dann ging wieder Neonlicht an und das Jahr war zu Ende.

Sonntag, 15. Dezember 2019

Ein Rosengarten

Advent Advent, und so weiter. Kaum hatte der Sturm die Regenfront weggefetzt, hatte ich Rukka an und brauste mit der Himalayan los. Das war herrlich unbeschwert. Die Elbe peitschte gegen die Kaimauern, und meist war ich allein mit dem Bike und dem zerrissenen Himmel und dem tosenden Südwind, der mir nichts anhaben konnte. Ich nahm sogar ein Stück Autobahn bis zum Rosengarten bei 7°, ließ die Maschine über die kahlen Landstraßen gleiten, grüßte entgegenkommende Biker und kam gut gelaunt über Wulmsdorf nach Harburg in zivilisiertes Gebiet zurück. Wenn ich den letzten Schlenker über die Hafenroute weggelassen hätte, wäre ich noch mit warmen Fingern heim gekommen. Hätte, hätte, wollte ich aber nicht.


Samstag, 30. November 2019

Ein guter Tag.

Ende November kam eines Nachmittags kurz ein Lichtstrahl. Ich tat so, als sei nun Frühling, zog nicht die ganz dicken Sachen an, sondern die schicken und kickte die SR an (ein Tritt!), weil die bestimmt gut aussieht im schrägen Hartlicht. Das Konzept ging eine ganze Zeit lang auf. Ich suchte mir kleinräumige, stilistisch passende Kulissen auf meiner cruisenden Fahrt durch die Stadt aus und wagte eine letztlich doch ausgiebige Runde durch den verlassenen Hafen. Gegenüber vom Kreuzfahrtterminal rauchte ich mit frierenden Fingern. Dämmerung kam, Eiskristalle. Ich zog die Handschuhe an, dich ich am Motor gewärmt hatte und brach auf. Auf dem Weg zurück froren noch die Füße und dann der Gaszug ein. Es war ein guter Tag.

Sonntag, 3. November 2019

Endzeit

Die Vorteile einer Enduro kommen jetzt nach und nach richtig zur Geltung. In einem Wolkenloch am Samstagnachmittag kurzerhand in GoreTex zu starten, die B5 nach Bergedorf zu brausen, erstmalig im Leben Neuallermöhe-West zu besichtigen und in letzter Sekunde eine kurze, aber massive Regenfront am Autohof in der Großmannstraße abzusitzen, das hätte es sonst nicht gegeben.
Der Sonntag war ähnlich gestrickt: Kaum klarte es halbherzig auf, war ich auf der Straße. Die Himalayan und ich rauschten über die noch nasse A7, herrlich leere und frische Verbindungsstraßen zwischen Quickborn und Barmstedt entlang, durch eine endzeitliche, graubraun-matschige Ödnis. In der Nähe von Elmshorn erwischte mich mit voller Wucht die Dämmerung. Uetersen, Tornesch und Pinneberg waren zu einer neonstrahlenden, gigantischen Megametropole verwachsen, aus deren monotonen Siedlungen es kein Entkommen gab. Kilometer um Kilometer schob mich der Speckgürtelverkehr durch Vorstädte und flächendeckende Gewerbegebiete. Ich machte drei Kreuze, als endlich der Parkplatz von Getränke-Hoffmann in Sicht kam. Dort rauchte ich eine, orderte elektronisch eine heiße Badewanne, begab mich auf die Autobahn und gab Vollgas.

Donnerstag, 24. Oktober 2019

Donnerstag

Den Vormittag über hatte die Diskrepanz zwischen der Wetter-App und der Realität postfaktischen Charakter. Aber später, zwischen Wilhelmsburg und Fliegenberg, machte alles Sinn. Die Sonne brannte den Hochnebel weg und ließ das Land in genau dem richtigen Herbstlicht strahlen. Immerhin war es ein frei genommener Donnerstag, also hatten wir Ansprüche. Die Landstraßen südlich von Stelle sind auch wochentags leer, so dass wir uns in besonderen durchleuchteten Waldstücken, bunten Alleen, und weiten Felden Zeit nehmen konnten, das Foto des Jahres zu machen (bzw. zu versuchen). So gelangten wir Stück für Stück über Undeloh durch die Heide bis nach Welle, wo wir auf der Holzbank saßen wie damals im Sommer, und einen vom letzten Geld gekauften Cappuccino teilten. Wir nahmen für den Rückweg eine Route querfeldein an Buchholz und Jesteburg vorbei, wieder über Stelle. Hauptsache an allem Feierabendverkehr vorbei, denn wir hatten frei.


Sonntag, 20. Oktober 2019

Rukka Feeling

Das Feeling kannte ich noch von damals: Bei trübem Himmel mit Rukka Klamotten trotzdem unterwegs sein. Es war frisch aber ich fror nicht. Die Straße war nass, aber das machte nichts. Die Royal Enfield rauschte durch den Nachmittag, ich fuhr gedankenverloren mit. Sie trug mich über Bergedorf nach Geesthacht, Lauenburg, über die Brücke ein Stück Richtung Lüneburg. All das geschah mit großer Entspannung und echtem Freiheitsgefühl. Das milchige Licht und das bräunliche Landschaftsbild passten, alles wirkte stimmig und okay. Irgendwo zwischen Bardowick und Winsen, ich ließ mich nach grober Orientierung über die Dörfer treiben, kam historisches Kopfsteinpflaster, dann ein langer Sandweg. Ich schwöre, das war nicht so geplant. Auch nach gewissenhafter Prüfung blieb die Strecke offensichtlich legal. Abgesehen von den vielen Pilzsammlern, denen ich dezent auswich, machte es einen Riesenspaß, die Maschine durch die Sandkuhlen und Schlammlöcher zu reiten. Wieder in der Zivilisation angekommen, hatte ich noch eine gute Stunde, bevor das nächste Regenband eintreffen würde. Ich fuhr weitgehend allein am Elbdeich zurück ins Hafengebiet, und dann in die graue Stadt im Oktober.

Samstag, 12. Oktober 2019

Μύθος

Mit einem Mal fanden wir uns auf einer gemieteten G650 GS im Kretischen Hinterland wieder. Zwei Wochen lang bildeten kleinteilige Bergstraßen, atemberaubende Küstenlandschaften, Pausen mit Badegängen sowie wiederkehrend Frappé, Mythos und Souvlaki in kurzhosigen Urlaubsorten aller Art unseren Alltag. Die Insel war am Ende größer, unerwarteter und vielschichtiger als man denkt. Irgendwann während eines Sundowners war zu Hause der Herbst eingezogen. Das hatten wir gar nicht bemerkt.

Sonntag, 22. September 2019

Wittenberge 19

Wir freuten uns wie Kinder, endlich unterwegs zu sein, zum großen Wittenberge-Meeting 2019. Anja war sehr ungeduldig. In der Stadt, aus der wir nicht rauskamen, auf der Autobahn nach Geesthacht mit Vollgas, selbst auf dem ersten Ende der B195, die in der Septembersonne leuchtete: Die Mash drängte im Rückspiegel und hetzte die SR mit 90 Km/h durch die Elbauen. Mit den Kilometern geriet die Zivilisation in Vergessenheit und epische Gelassenheit kam. Der Späthochsommertag war sensationell. Die Alleen flirrten heiß, ungetrübte Fahrfreude füllte alles aus, und bis Wittenberge war es schön weit. Am Ziel erwarteten uns Rembert und Pauli vor einemm unerwartet hippen Café (Sandwich im Glas!). Die wichtigen Themen wurden besprochen, ein paar Kaffee nachbestellt, auf die Uhr geguckt. Noch ein Gruppenbild an der Tanke, dann Abfahrt. Auf der anderen Elbseite zurück, durch eine übertrieben goldgelb gefilterte Breitbild-Landschaftskulisse im Streiflicht. Scharpenhufe, Gartow, Dannenberg - einsam schwingende Straßen durch wechselndes Frühlingsgrün und vertrocknete ockerfarbene Steppe. Es folgte die jedes Mal wieder umwerfend elegante B216 mit Ende in Lüneburg. Von hier aus hatten wir mit der Autobahn einen Fallback. Den brauchten wir aber nicht, denn wir waren noch fit, und hatten noch Benzin, und die Sonne war auch noch da. Wir ließen sie erst ganz am Ende verglühen, über dem Vierländer Elbdeich in der Nähe vom Zollenspieker.

Samstag, 21. September 2019

Testgelände

Einerseits tat mir Anja ein bisschen leid, weil sie an diesem Sonnentag arbeiten musste. Andererseits konnte sie auch dankbar sein, dass ich für sie ihre Mash testete. Sofort war klar: von zickigem Verhalten keine Spur (bei der Mash), dafür von vornherein unterhaltsame Fahrt, mit Pepp und Braaap. Ich testete die lange Gerade bis Soltau. Gleichförmig zog sie sich durch die Sonne, die schräg stand und einen herbstlichen Touch nicht mehr kaschieren konnte. Nach einem Cappuccino im Café Alexander fuhr ich noch weiter nach Süden bis Bergen, bog dann westlich ab und suchte mir per Eigenorientierung einen Weg durch das riesige Militärgebiet, durch das vollkommen leere Straßen führen, auf denen man auch mal kurz angasen kann. Kein einziger Panzer versperrte meinen Weg, trotzdem war das Übungsgelände natürlich tabu. Dann ging es wieder zivil weiter durch den himmelblauen Tag. Ich ließ mich über Schneeverdingen treiben und kam mit exakt 200 Kilometern auf der Uhr in Welle zum Tanken an, zum Verbrauchstest. Okay. Der Rest ging schnell und ohne Aufsehen. Ich nahm noch eine Reihe Umwege durch das Hafengebiet, gab hier und da noch mal Gas und stellte die Maschine exakt an ihren Platz in der Garage. Alle Systeme arbeiten normal.


Samstag, 14. September 2019

Deadline

Zügig nach Strukdorf kommen, lautete die Mission, sicherheitshalber mit warmen Sachen drunter. Dort: in aller Heimlichkeit Unterhaltungselektronik installieren. Das dauerte bis in den Nachmittag, der herrlich sonnig war, aber gleichzeitig auch ein sich schließendes Zeitfenster, mit einer blöden Deadline am Sonntag um 5 Uhr früh. Ein Stück durch McPom war aber drin, und das nutzten wir aus. Freies Schwingen bis Ratzeburg, dann auf kleinen und kleinsten spätsommerlichen Landstraßen und Wirtschaftswegen durch das Grenzland über Kitlitz, Dutzow, und die einsame Holperstrecke hinterm Schaalsee, die man sowohl mit der Mash und erst recht mit der Himalayan mit 90 Sachen entlangbügeln konnte. Wir hatten keine Zeit mehr für ein Eis in Zarrentin, nahmen die Waldstrecke bis Gudow und fuhren das letzte Stück auf der Autobahn. Normalerweise wäre das eine brummende Fahrt in die Dämmerung geworden, diesmal nicht. Kein Grund sich zu beklagen.

Donnerstag, 12. September 2019

Schönen Feierabend.

Ist noch Sommer. Kurzerhand plante ich einen Dämmertörn in den Feierabend ein. Frikadelle an der Total Moorfleet, Gas geben auf dem Autobahngewürm bis Veddel, dann zwischen Güterzügen und Sunset noch eine Stunde Royal Enfield genießen. Geht.


Sonntag, 8. September 2019

Kirchturmfahrer

Sonntag war alles klar. Sonne zum Frühstück, warme Pullover, Die Mash und die SR vergnügt auf der Landstraße im Süden unterwegs. Die Fahrt fluffig und leicht, es ging über Fliegenberg Richtung Heide. Als wir das zweite mal aufs Display schauten, waren überall Schauerzellen. In der Folge trauten wir uns nicht mal bis Amelinghausen. Wir gurkten stattdessen nach Geesthacht, und dann etwas unbeholfen auf der anderen Seite zurück in die rettende Stadt. Wie die Kirchturmfahrer. Andere wären vielleicht um die halbe Welt gefahren, wir setzen Kaffee auf.

Samstag, 7. September 2019

Adventure-Mode

Die Diskussion führte zu nichts. Der Tag war ungeeignet für eine gemütliche Butterfahrt in die Heide. Am besten war, ich ziehe eine lange Unterhose drunter und fahre im Adventure-Mode nach Friesland, allein. Die Himalayan stampfte durch monotone Kulisse gegen den Wind im Niemandsland hinter Buxtehude an. Eine Fahrt ohne Stopps, zügig, introvertiert und frei. Ab Bremervörde war ich dem Vio ausgeliefert. Es ging über herrlich zweitklassige Landstraßen an immer unbedeutenderen, einheitlichen Dörfern vorbei, bis schließlich die Weser vor mir lag. Lang gestreckt und grau, dahinter das Ende der Welt. Drüben schloss ich mich ein Stück weit einer Bikergruppe an, die dasselbe Ziel hatten (bis die Ural liegenblieb). Ich ließ sie Enfield laufen, durch das unwirklich flache und leere Land bis schließlich das Festivalgelände in Nethen ins Bild kam. Anderthalb Stunden war es ein ganz kleines bisschen wie in Biarritz. Bikes, Benzin, Bier (alkoholfrei). Alles recht entspannt, und ich mittendrin.
Ich musste los, bevor die Schauer kamen. Zuerst dachte ich das war Fake. Ein paar Kilometer später schob ich eine schwarze Regenfront vor mir her, auf den Straßen stand das Wasser. An einer Tanke wartete ich einen Cappuccino lang und fasste Mut. Dann geschah ein meteorologisches Wunder und ich kam irgendwie, diesmal einfach den Schildern folgend, am Südrand eines supermassiven Schwarzen Lochs die ganze Strecke über Horneburg bis nach Hause, ohne nass zu werden. Nur die rechte Socke hatte Wasser gezogen, who cares.

Sonntag, 1. September 2019

McCormick

Noch ein 30-Grad Wochenende kam, vielleicht das letzte. Von unzähligen Optionen blieb am Ende die einzig wahre übrig: Strandsachen aufschnallen und ab an die Ostsee. Die SR und die Mash quälten sich in Altona durch die ätzenden Autoschlangen zur B4 nach Norden. Das war ein natürlich unsinniger Umweg, aber die Quere von Alveslohe über Wakendorf II nach Nahe war gar nicht übel. Inzwischen war klar, dass uns nur die Autobahn 20 ab Segeberg noch heute ans Meer bringen konnte. Nach dem zermürbenden Kolonnenfahren war es befreiend, mit 110 Sachen über die leere Bahn zu brummen. Strukdorf flog unwissend vorbei, Lübeck, und bald kam Schönberg in Sicht. Dort probierten wir ein neues Café aus, und dann kam endlich die vertraute Seefrische auf den letzten Kilometern. Einen Badegang später fuhren wir durch flirrende Alleen über Schlutup nach Lübeck und ohne Halt durch bis Strukdorf. Wir konnten es nicht erwarten, Horsts neuen alten McCormick zu bewundern. Der war knallrot und zog alle Sympathien auf sich. Vor allem aber durfte ich eine Runde drehen und wollte nie wieder absteigen.
Der Sonntag blieb am Thema: Treckertreffen mit allem Drum und Dran in Schadehörn. Ein Dorf, nicht weit weg, aber dermaßen gut versteckt, dass wir es spiralförmig einkreisen mussten. Der Nachmittag hatte sich zugezogen, das Wetterradar gab einen kleinen, dreieckigen Aktionsraum vor, an dessen nordwestlichem Ende passenderweise Neukoppel lag. Dort besuchten wir Telse auf ihrem Anwesen, bekamen Filterkaffee, Erdbeeren und Eier von Hühnern mit Namen. Am liebsten wären wir gleich da geblieben. Unsere Klamotten waren auf 30 Grad ausgelegt, davon war auf der Rückfahrt nichts mehr übrig. Es war die schiere Lust am unbekümmerten Gasgeben, dem federleichten Schwingen um die vertrauten Kurven der B75, das tiefenentspannte Einrollen in die Stadt der Bekloppten, was uns ausfüllte, so dass wir die einkriechende Kühle erst zu Hause spürten, wenn überhaupt.

Sonntag, 25. August 2019

Alleinreisend

Es begann mit einem Experiment: Freitag um 15 Uhr Bleistift fallen lassen und abhauen. Allein, denn Anja war in Venedig. Ergebnis: Freitag machen scheinbar alle um 15 Uhr Feierabend. Sie stauen sich einfach überall in ihren Bürgerkäfigen, und zwar in abartigem Ausmaß, sogar bis weit über die Stadtgrenze hinaus, in sengender Hitze. Sie sind die Pest. Ich war auf dem Weg entlang der Elbe stromaufwärts. Ab Lüneburg lichtete es sich langsam, und ich konnte den traumhaften Sommernachmittag wahrnehmen, die Maschine gleichmäßig durch die B216 gleiten lassen. Das Land war gelb und vertrocknet, sah dabei aber einfach klasse aus im Spätnachmittagslicht. Der weitere Verlauf über Gorleben und Gartow kommt selten dran, aber für mich war es schon die letzte Etappe. Am Ende liegt Schnackenburg, die kleinste Stadt der Welt. Ich checkte ein und genoss den Abend allein mit einem Schnitzel, zwei Pils und einem umwerfenden Sonnenuntergang über den Elbauen.
Der Samstagmorgen begann gut gefrühstückt mit einer herrlichen, einsamen Fahrt durch die Altmark über Seehausen, Werben, hin zu der hinterweltlerischen Holperallee zur Gierfähre bei Räbel. Auf der Himalayan kann man die Strecke locker mit 80 Sachen bügeln. Drüben stellte ich das VIO auf "kürzeste Route" und ließ mich von Dorf zu Dorf bis Brandenburg, und weiter Richtung Beeltz leiten. Auf die Weise ist auch mal ein Betonplattenweg durch den Wald dabei, was ich genau richtig fand. Als mal kurz ein Flecken Internet auftauchte, verabredete ich mich mit Rembert. Er war bereits wach und hatte Kaffee da, aber leider kein Motorrad. Dafür hatte aber Thomas sich gemeldet und mich zum Bikercafé in Dobbrikow zitiert. Zeitgleich mit mir traf er auf der Vanvan dort ein. Wir drehten eine kurze Runde mit getauschten Maschinen, danach war ich wieder allein unterwegs im Süden von Berlin, wo es einsame Alleen gibt und zwischendurch Ausblicke in riesige Ebenen. Ich rollte auf einer ungewöhnlichen Strecke in das mächtige Berlin ein, schwamm gleichmütig im zähen Verkehr mit, und traf schwitzend und überpünktlich in Tempelhof ein, wo ich zu einer netten Garagenparty in lauer Sommernacht erwartet wurde.
Sonntag lag die B5 vor mir in der Unendlichkeit. Es ging mit Rückenwind durch den heißen Sommertag, aufgeräumt, flüssig und leicht. Die Sperrung bei Gumtow nahm ich nicht ernst, ein kleiner Ausweg durchs Gelände war kein Hindernis. Einsame Kilometer verflogen im Nachmittag, Kyritz, Perleberg, ein Eis in Ludwigslust. Die Sperrung bei Boizenburg war echt. Von der B5 war nur ein aufgewühltes Kiesbett übrig, undurchdringlich und scharf bewacht. Aber selbst die ihrerseits gesperrte Umleitung nahm ich locker, fuhr mit immer noch derselben Tankfüllung in den Abend, saß noch ein langes Alkoholfreies lang am Zollenspieker und stellte die knisternde Royal Enfield in die Garage. Zufrieden mit der Welt, als hätte ich sie umrundet.

Sonntag, 11. August 2019

Party

Anja wollte weg und hatte kurzerhand ein Zimmer in Quedlinburg gebucht. Der Freitag war auch schnell frei genommen. Es drehte sich zwar eigentlich um ihren Geburtstag, aber irgendwie hatte ich auch ein bisschen Geburtstag, denn es war die erste große Tour mit der nagelneuen Himalayan. Auf der Strecke durften keine Autobahnen vorkommen, wegen der Einfahrzeit. Das war gut, denn heraus kam eine durchweg angenehme Route im Bummeltempo vorbei an jeder störenden Zivilisation. Erst durch die Heide über Amelinghausen bis Uelzen, dann diagonal nach Südwesten durch eine ziemlich unbekannte Landschaft mit weiten Flächen und ganz ansehnlichen Dörfern. Östlich von Wolfsburg waren die Straßen voller Volkswagen und gesäumt von Neubausiedlungen. An einem Kreisverkehr blieb die Mash röchelnd stehen. Über dem Lidl-Parkplatz lag drückende Hitze, als wir deprimiert zwischen den Maschinen saßen und alles durchspekulierten. Danach sprang sie auf Knopfdruck an und fuhr ganz normal. Die Fahrt ging weiter durch großes, welliges Land, schließlich kam in schwülem Dunst die Silhouette der Harzberge in Sicht. Das Timing war gut. Nachdem wir eincheckten, ging der Tag in einen tropischen Niesel über.
Ihren Geburtstag verbrachte Anja im Sattel, wo sonst. Wir umfuhren einige der allgegenwärtigen Sperrungen und kamen auf engen, kurvigen Bergstraßen über den windigen Hauptkamm auf die andere Seite nach Stolberg. Das Eis aßen wir am Rand, im Zentrum war währenddessen ein Stadtfest mit Ost-Schlagermusik. Wo wir schon auf der Südseite waren, lagen zwei Optionen nahe: Erstens würde es in Nordhausen sicher einen Billigladen geben, wo ich mir einen Not-Pullover kaufen könnte (meinen hatte ich großkotzig im Hotel gelassen). Zweitens war Hörden nicht weit, und wenn der Zufall es wollte, könnten wir dort Heike treffen und noch einen zweiten Kaffee abstauben. Beides klappte gut. Die Rückfahrt war herrlich, mit leeren Straßen, Sonne und Wind im Rücken. Die Himalayan zog satt und geschmeidig durch die Kurven, die Mash eigentlich auch. Beim Blick auf die Uhr stieg aber eine andere, harztypische Ungewissheit auf, die man gern verdrängt: Wie bloß nachher noch was zu Essen bekommen, wo Restaurants um 21 Uhr schließen ("Essenszeit ist hier zwischen 6 und 8.")? Alles ist gut gegangen. Und gegenüber vom Griechen war sogar spät noch was los. Happy Birthday.
Sonntag fuhren wir gar nicht erst in die Berge, sondern malten uns eine besonders ausgetüftelte Route ins Navi. Ein freies, gerades Stück bis südlich von Magdeburg, den Moloch auf winzigen Nebenstraßen östlich umfahren, bis zu einer Fähre bei Rogatz. Dann der Elbe folgen bis Tangermünde. So ging es weiter durch die immer abseitiger, buschiger und knorriger werdenden Elbauen bis Wittenberge, Dömitz, Neuhaus, Boizenburg. Eine heiße, langsame Traumstrecke, die sich endlos durch den Nachmittag zog, so dass wir immer häufiger Pausen, Wasser, Frikadellen und Kaffee brauchten, um nicht am nächstbesten Baum zu landen. Die großräumigen Umleitungen bei Neuhaus und vor Lauenburg hatten letztlich wachrüttelnde Wirkung und waren außerdem echte Geheimtipps, die man sich merken muss. Am Ziel waren wir glücklich erschöpft wie nach einer ausufernden Geburtstagsparty.

Samstag, 3. August 2019

Was mit Männern

Am Samstag war CSD. also warum nicht mal was mit Männern anfangen. Ben und Marcus erwarteten mich in der Langenfelder Straße. Die SR stand zerbrechlich zwischen der historischen G/S Paris-Dakar und einer hypermodernen Africa Twin. Trotzdem durfte ich die Truppe anführen bis zur Übergabestelle. Die bewährte Hafenroute war gleich am Anfang gesperrt. Egal. Hinter Harburg ging es auf die  Rosengartenstrecke, die gab tempomäßig nicht so viel her und fühlte sich für alle okay an. Danach führte Ben. Es ging über viele Dörfer ins Hinterland von Buxtehude. Am Horizont bildete sich die einzige Gewitterzelle im Umkreis von 200 Kilometern. Die Endurofahrer hielten direkt drauf zu. Ich hielt die Schnauze. In einem Ort namens Harsefeld warteten wir auf einem Supermarktplatz noch, bis es richtig anfing zu schütten, dann nahmen wir den Rest zu Bens Waldhütte unter die Reifen. Es ging über Geröllpisten, Matschlöcher und schließlich Waldwege für Mountainbikes. Ich sagte nix. Als wir tropfend in der Luxushütte standen, kam die Sonne wieder raus. Es gab Kaffee, Kuchen und dazu meine vorletzte Schachtel Fortuna. Es wurde beschlossen, einen Bogen durchs Alte Land zu machen und per Elbefähre bei Wischhafen über zu setzen. Alle hatten vergessen, wie unsagbar öde diese Strecke ist. Immerhin, auf der anderen Seite war die Luft besser, der Blick weiter und manchmal gab es ein freies Stück zum Durchatmen. Über Quickborn kamen wir zurück, haarscharf an der sich verziehenden Gewitterfront entlang. Wir wären auch durchgefahren.

Sonntag, 28. Juli 2019

Man muss wissen was man tut.

Die neue Hitzewelle kam gut vorbereitet: Am freien Freitag waren extra früh auf, um schnell noch in der Morgenfrische aus der Stadt raus zu kommen, Fernziel Ostsee. Man brauchte kaum Klamotten, der Hoodie reichte, dazu perforierte Sommerhandschuhe. Mit allem Gedödel war es dann doch schon spät, als wir endlich auf der B75 waren. Außerdem waren, wo wir waren, auch unsere vierrädrigen Freunde in großer Zahl. Sie stauten sich in der Hitze Oldesloes, tuckerten in Kolonne über die Landstraßen und verstopften den Umkreis von Lübeck. Das Ziel Fehmarn verschoben wir pragmatisch auf morgen. Stattdessen führten wir in einem orientierungslosen Bogen zum Teil auf der A20 nach Brook. Die leeren Landstraßen waren ein befreiender Genuss, der Strand lockte und unsere 400er ließen sowieso niemals Stress aufkommen. Ein paar Stunden und einen Badegang in schwerer See später fuhren wir durch den Klützer Winkel nach Grevesmühlen zum Eisessen. Das tun wir schon seit Jahrzehnten glaube ich. In heißer Abendsonne ging es über Schlutup und Lübeck nach Stukdorf, wo der Grill schon rauchte.
Samstag kam dann endlich mal wieder die bewährte Route nach Fehmarn dran: Ahrensbök, Eutin, Schönwalde, usw.. Weit genug entfernt von den debilen Touristenmassen in ihren Familienkutschen schwangen wir weiträumig durch glühende Kornfelder und dunkle Wälder. Problematisch waren immer wieder die uneinsichtigen Landwirte, die ausgerechnet am Wochenende und auf unseren Lieblingsstrecken mit monströsen Landmaschinen spazieren fuhren und unseren Flow störten. Auf den letzten Kilometern kam heftiger Ostwind. Am Strand wären wir ohne einen windschattigen Busch erfroren. Der Rückweg verlief identisch, nur mit Rückenwind und vielleicht deshalb ganz besonders fluffig.
Noch ein Tag: Sonntag, etwas frischer. Es ging quer von Reinfeld über Kastorf nach Ratzeburg, und dann, improvisierend, durch verlassene Gegenden Mecklenburgs nach Süden. Hier war kein Tourist, kein Stau, nur die Sonne, Landschaft und ein schmaler Streifen Asphalt. Ein Eis am Schaalsee war drin, dann ging es weiter durch den Nachmittag auf unbekannten, herrlichen Landstraßen, die sich einsam in die Länge zogen. Etwa auf dem Breitengrad von Melkof tauchten wir wieder in die stickig-heiße Luftmasse ein. Es zog uns in Richtung Elbauen, da gibt es irgendwo eine geheime Badestelle, die wir aber nicht wieder fanden. Solange man fuhr, war auch alles okay. Die Fähre bei Darchau hatte sich festgefahren, bei Boizenburg war die B5 gesperrt. Es gab so wenig Verkehr, dass die Umleitung eine interessante Bereicherung wurde. In Geesthacht gab es einen Dönerteller unter Einheimischen, auf der Deichstraße glitten wir müde und entspannt in die Dämmerung, aus der sich glitzernd die große Stadt erhob.

Montag, 22. Juli 2019

Indien hat alles verändert (2)

Eigentlich wollte ich eine Versys Reisemaschine probesitzen. Das ging schnell. Das Ding war kolossal und die Füße baumelten in der Luft. Rein spaßeshalber probierte ich nochmal die Enfield Himalayan aus, weil die auch da stand. Hm. Spontan miete ich sie fürs Wochenende. Bei knapp 30° testete ich alle möglichen Situationen. Autobahn mit Rückenwind - easy. Landtraßen - fluffig. Dann die langen Geraden in der Nordheide, auf einem Adventurebike mit neuem Blickwinkel. Ich erkundete endlose unbewohnte Landstriche, Wälder, Steppen und wüste Heide. Später kam ich an einen großen Fluss, der sich teilte und zahllose Werder umspülte, auf denen Menschen Handel trieben. In der Stadt nahm die Maschine Verbotsschildern, Verkehrsinseln und Busspuren die Autorität, vieles war egal, alles war locker und lässig.
Am nächsten Tag war die Himalayan mit der Mash gemeinsam unterwegs. Ich hatte noch gut 200 Kilometer im Kontingent, daher wählten wir die Route sorgsam aus. Was nicht klappte, denn zwischen Oldesloe und Bad Segeberg gab es keine Chance, die Trave zu queren, und Flussdurchfahrten waren im Mietvertrag explizit ausgeschlossen. Aber die Nebenstraßen waren ein perfektes Testlabor. Mit einem 21" Rad durch die Kurven zu flexen ist unschlagbar, der fleischige Motor passte herrlich dazu. Wir erreichten Strukdorf dadurch gut gelaunt. Alle bestaunten die Enfield und gaben wertvolles Feedback. Anja ließ die Mash eine Weile stehen und fuhr auf der Himalayan hinten drauf mit auf einer kleinen Rundtour durch Ostholstein in kachelndem Westwind. Das ging unheimlich gut, die Maschine zog mühelos und lag sehr stabil. Alles top. Am Montag brachte ich die Enfield zurück. Meine Vulcan blieb der Einfachheit gleich in der Halle stehen. Stattdessen ließ ich mir einen Kaffee bringen und unterschrieb ohne zu zögern.

Sonntag, 14. Juli 2019

Gefällt mir trotzdem

Zwischendurch war eine quälende Phase gekommen, in der man z.B. wunderbar in der Garage Schönheitsoperationen durchführen konnte, oder aufräumen, oder Fernsehen. Nur zum Fahren fehlte meist die Motivation, und das lag an dem unnachgiebig trüben Himmel über der auf 16 Grad schockgefrorenen Stadt. Manchmal holte ich abends trotzdem die SR raus und fuhr eine Runde um den Block. Am Wochenende war Anja nach Darmstadt verschwunden, da ließ ich ein Regengebiet durchziehen. Es hatte den letzten Rest Wärme abgesaugt und ich fror mich halb tot zwischen Bad Bramstedt und Pinneberg. Unter der Woche verbesserte sich die Lage. Die Sonne war noch spät am Start, die Yamaha wurde von unabhängiger Stelle als Sahneschnitte tituliert, und ich gebe zu, wenn ich mit ihr im Streiflicht durch die Hafencity brumme, um dann ein Stück raus zu fahren und mal so richtig auf satte 80 Sachen zu beschleunigen, dann gefällt mir das schon ganz gut.

Sonntag, 30. Juni 2019

Der Ausweg

Auf den Gepäckträger der Yamaha hatte ich Badeschuhe geschnallt, die Mash trug ein Strandtuch. Jetzt ging es nur noch darum, irgendwie aus dieser vollgesperrten und sechsunddreißig Grad heißen Stadt raus zu kommen. Es gelang uns überraschend geschmeidig über Norderstedt. Überhaupt ging alles äußerst geschmeidig, vor allem mit der SR, die nur ganz wenig Leistung hat, diese aber betörend soft und irgendwie saftig abgibt. Außerdem kommt an jeder Eisbude einer, der auch mal eine hatte. Im unbekümmerten Tempo fuhren wir durch Stormarn. Es folgten einsame, beliebig entspannte Kilometer durch Mecklenburg, eine verlorene Schraube in Schönberg, schließlich die ersehnte Abkühlung auf den letzten Kilometern zum Meer, dem einzigen Ausweg. Es war aufbrausend und Badewannenwarm. Auf dem Rückweg trocknete die Badehose auf dem Gepäckträger. Da im Westen ein schmales, aber völlig unpassendes Regenband zu sehen war, improvisierten wir eine südliche Route durchs Lauenburgische. Die war top. Wir sahen nie gesehene Strecken, meist kleine Verbindungsstraßen durch Wald und Wiese. Ich glaube, das lag auch an den beiden Einzylindern, die uns dort hinzogen, wo man 70 fährt. Als wir Hamburg erreichten, war auch eine kühlere Luft angekommen. Wir rauchten noch eine an irgendeiner Tanke in Rahlstedt und waren extrem entspannt.

Samstag, 29. Juni 2019

Kick

Sie sprang beim ersten Kick an, meine neue SR 400 in Bremerhaven. In glühender Hitze suchte ich mir einen Weg durch das flache Land. Alle Dörfer sehen dort gleich aus, die Straßen auch. Ich fuhr nach Orientierung, weil ich gar keine Lust hatte anzuhalten. Lieber nochmal Gas geben. Total durstig und vollkommen auf dem Holzweg landete ich in Ihlenworth oder so. Dort gab es zumindest ein Madeira-Eck, und Eis und Cappuccino. Die SR stand chromglänzend daneben. Leider war in meinem Portemonnaie gar kein Geld mehr. Das hatte ich für die Jacke ausgegeben, weil ich meinen schönen Protektoren-Hoodie in der Regionalbahn gelassen hatte. Leider gab es auch kein EC-Gerät im Madeira, und leider auch keine Bank im Ort. Aber alle waren cool, und ich machte noch einen Ausflug nach Otterndorf-Stadt. Eine Stadt, mit Geldautomat. Zu Hause baute ich erstmal die Maschine zum Custombike um, so dass Anja und ich abends stilsicher bei den Prolls der Harleydays vorfahren konnten. Die Mash und die Custom-SR, durch einen heißen Juniabend gefahren im T-Shirt, das sah unschlagbar lässig aus. Als Bestätigung hatten wir noch Christian und Imke dazugeholt, die uns auf ihrer Honda Innova eskortierten. Sie bestätigten alles was wir wollten.

Sonntag, 23. Juni 2019

Unendlich viel Zeit

Die Nacht war kurz, genauer gesagt war es gar nicht vollständig dunkel geworden über einem bis dato unbekannten See bei Bad Segeberg. Die dortige Familienfeier kam erschwerend dazu. Gegen Sonntagmittag machten wir uns dann noch ziemlich müde von Strukdorf aus auf den Weg. Wir durchfuhren Lübeck, Schlutup, im Gedanken schon am Meer. In Brook blies ein frischer Nordostwind, das war genau was wir brauchten. Der Tag hatte unendlich viel Zeit für uns, wir konnten in aller Gemächlichkeit über die Dörfer nach Grevesmühlen fahren um dort Hähnchen zu essen, um dann mit kaum 70 Sachen die historische, unschlagbare Strecke über Rehna, Carlow und Röggelin zu nehmen. Die war buckelig, lang und warm, die Felder schimmerten fotogen im hellen Abendlicht. Manchmal waren wir müde und machten eine Pause, die meiste Zeit rollten wir einfach zufrieden und allein durch die Landschaft. Von Mölln aus wählten wir die Route mit Bedacht, um bloß nicht zu nah an eine Autobahn zu geraten. Die war nämlich bei Hamburg gesperrt und ausufernde Autoverpestung war zu erwarten. Es verlief aber alles genau so relaxed wie der ganze Tag. In Lauenburg erreichten wir die Elbe, tuckerten schläfrig die Deichstraße entlang in die Dämmerung, bis in der Stadt die Lichter angingen.

Sonntag, 16. Juni 2019

Wellenreiten

Ja, eine Seefahrt ist auch lustig, klar. Bei näherer Betrachtung erschien ein Frachter dann aber doch sehr behäbig und fährt außerdem ausschließlich auf Wasser. Die BMW F 700 GS, die wir stattdessen in Barcelona übernahmen, war für unsere Verhältnisse auch ein ganz schön dickes Schiff. Die fuhr aber wohin ich es wollte. Und zwar zunächst südlich an den Pyrenäen entlang in Richtung Horizont. Auf heißem Asphalt, mit 120 Sachen ohne Fahrtwind, dabei allerdings auch ohne viel Charakter. Jeden Abend legten wir in einer anderen Stadt an, auf der Suche nach Essbarem und Vino Tinto, Wir fanden dies meist zwischen Einheimischen in irgendwelchen Seitengassen. Das Hauptziel Biarritz lag auf der anderen Seite, im Regen. Die Griffheizung der BMW lief bei der Überfahrt auf Volldampf. 12° in Südfrankreich wirkten trotzdem absurd. All das war vergessen am nächsten Tag auf dem Wheels & Waves Festival. Immerhin ging es da prinzipiell unter anderem ja auch um Wassersport. Mehr jedoch, und erst recht in den Gassen der Stadt am Abend, um einen lässigen Style, Benzin, Craft Beer, sowie wahnsinnig viel Braaab von Scramblern, Racern und zunehmend Trackern. Genau unser Ding. Den Rest der Woche kurvten wir bei Traumwetter mit großer Geschmeidigkeit durch die Berge, schmuggelten Zigaretten aus Andorra und hatten meist die ganze Welt für uns. Am Ende saßen wir als Fußgänger bei einer Pizza am Mittelmeer und konnten kaum glauben, dass das nur eine Woche gewesen sein soll.

Sonntag, 2. Juni 2019

Unser Osten

VäterInnentag 2019. Wir saßen auf gepackten Koffern, bis das Regenband am Nachmittag endlich durch war. Dann ging es mit frischem Rückenwind auf die Reise ins ferne Stendal. Bis Lüneburg schossen wir auf der Autobahn mit 110 Sachen entlang. Auf der B4 dann verlangte Anja energisch eine Abwechslung und wir nahmen eine Vio-gesteuerte Route von Bad Bevensen aus durch die Altmark. Regionen, die wir nie zuvor gesehen hatten, ruhig, buschig und absolut angenehm zu fahren. Mit jedem Kilometer wurde das Wetter besser, auf dem letzten Stück ab Salzwedel schwitzten wir in unserer Funktionswäsche. Stendal hatte interessante Ziegelbauten und einen Griechen. Ansonsten ist da nichts los. Gut so.

Am nächsten Morgen zog menschenleer und waldig ausgedehnte Landschaft vorbei. Es blieb viel Raum für uns, die Maschinen brummten zufrieden, die Gedanken verliefen sich. Wenn überhaupt mal eine Ortschaft kam, dann war sie leer und die einzigen Farbtupfer die typischen NPD-Plakate. Die Stadt Brandenburg wirkte im Gegensatz überraschend lebendig, beinahe kosmopolitisch-bunt. Unser Ziel Beelitz war schon in Sichtweite, da machte der Kupplungszug der Mash zonk!. Gut, dass ich noch aus alten Zeiten mit ohne Kupplung fahren konnte (mit Anschubsen). Anja eierte mit der Vulcan hinterher. Das Gute war: Auf Remberts Landsitz in Beelitz war genug Kompetenz versammelt, um das Problem administrativ zu lösen. Rembert eskortierte mich nach Wannsee zum freundlichen Mash Händler, der das Teil umgehend und ohne Termin erneuerte! Den Restnachmittag füllten genüssliche maigrüne Kilometer auf raumgreifenden, Landstraßen, die Rembert und Thomas rausgesucht hatten und die uns ganz allein gehörten. Im Abendlicht sah die Gruppe aus Harley, Vanvan Vulcan und Mash dabei aus wie im Film. In Bad Belzig rauchte schon der Grill. Wir waren sehr entspannt und wurden im Laufe des Abends von Insekten restlos aufgefressen.

Samstag führte uns Thomas auf verträumten, wiederum leeren Landstraßen auf einer südlichen Route Richtung Coswig. Die Sonne brannte auf Wald und Wiese, die Vanvan gab ein entspanntes Tempo vor. Das hätte gern ewig so weiter gehen können. Bei Wörlitz überquerten wir die Elbe, dann kamen holprige, angeblich "legale" Schotterpisten, auf denen ich mir mit der Vulcan nichts anmerken ließ. Im dortigen Landschaftspark stieß Rembert dazu und begleitete uns noch ein Stück. Erst durchs glühende Dessau, dann an der Elbe entlang bis Aken, wo wir uns trennten. Anja und ich glitten durch einen langen warmen Abend über leeres Land in später Sonne. In Pömmelte hielten wir an einem Ringheiligtum, dann ging es über samtigen Asphalt immer weiter Richtung Westen. Am Ende des Tages lag Braunschweig. Das hatte sich in unserer Erinnerung zu einer Weltstadt verklärt. Tatsächlich waren wir froh, noch etwas zu Essen zu kriegen.

Sonntag: Viel zu viel Zeit für zu viel wenig Strecke, und gestern scheinbar irgendwie zu wenig Wasser getrunken. Hinter Uelzen fühlte sich die Landschaft wieder vertraut an. Wälder ohne jegliches Ende, lange Geraden, und plötzlich seltsam viel Verkehr bei 30 Grad. Wir vermieden die B3 und fuhren uninspirierte, aber absolut interessante Bögen durchs Hinterland, z.B. durch riesige Militärübungsgelände mit Natodraht. Immer in der Nähe von Autobahnanschlussstellen waren alle Straßen total mit Autos verstopft. Das war umso absurder, da wir seit 4 Tagen praktisch allein auf der Welt waren. Dann doch lieber noch einen großen Schlenker zurück nach Osten, über Amelinghausen und hinten um Lüneburg herum wieder an die Elbe. Auf der Deichstraße nach Hamburg fielen uns fast schon die Augen zu. In der Stadt holten wir Döner und lehnten uns zurück.

Sonntag, 19. Mai 2019

Desillusion

Klar war, dass wir mit den beiden Scramblern los wollten. Unklar, wohin. Auch nachdem wir ewig über die Wetterkarte philosophiert hatten, blieben Fragen. Wie auch immer, wir waren auf dem Weg nach Süden. Die lange gerade B3 schnitt sich durch den Nachmittag, an ihrem Ende die Sonne. Ich hatte Anja überredet, nicht eines der Seniorencafés in der Lüneburger Heide mit Spitzendeckchen anzufahren, sondern die heimliche Lieblingstanke in Welle. Dort schlürft man den Cappu aus dem Pappbecher auf einer Holzbank am Bike. Anja kam panisch mit dem Handy an und zeige mir die Gewitterzelle. Grausam zog sie ihre Bahn auf dem Display. Uns blieben nur Minuten. Motoren an, Gas, zurück nach Norden. Am besten in die andere Luftmasse, nördlich der Elbe. Wir durchquerten Hamburg auf der A1, was als Mash-Test zumindest interessant war, In der Nähe von Ahrensburg kamen wir in einem Gewerbegebiet zum Stehen. Alles war grau, die Luft irgendwie blöd, und es war 5 Uhr. Wir fuhren desillusioniert zurück in die verständnislose Stadt, die von der ganzen Aktion nichts mitbekommen hatte, außer einem trägen Frühsommersonntag.

Samstag, 18. Mai 2019

ich, cruisend.

Cruisen allein, manchmal genau richtig. Erst war ich auf einer ziemlich öden Kawasaki Werbeveranstaltung in Allermöhe. Die Probefahrtwarteliste war absurd lang, aber noch viel mehr gingen mir die vielen Leute auf den Sack. Instinktiv zog es mich auf die B195. Die Vulcan glitt in perfektem Tempo durch den Tag. Vorbei an Boizenburg, Neuhaus, immer weiter die menschenleeren Elbauen entlang, ganz für mich allein. Das Fahrgefühl war allumfassend und flauschig, ein perfekter Moment, der hundert Kilometer anhielt. Eine einsame Frikadelle an der Tanke in Dömitz, dann wieder Asphalt ohne Ende. Dannenberg, abbiegen auf die B218, cruisen durch hellgrüne Alleen mit Sonne dazwischen. In Göhrde einer Eingebung nach links folgend, fand ich mich staunend auf einer schier unendlichen Waldstraße über Himbergen nach Bad Bevensen wieder. Keine Ahnung, ob die schon bekannt war, sie war jedenfalls episch und es gab keinerlei Anzeichen von Zivilisation. Ich hatte keine Lust auf die Karte zu schauen und ließ mich blind nach Westen treiben. In einer unbekannten, hügeligen Welt irgendwo ein Stück südlich von Lüneburg gab es traumhafte Straßen, Hoffentlich finde ich die je wieder. Später, nach einem langen Ritt durch die Lüneburger Heide kamen wieder bekannte Ortsnamen. In Welle stieß ich auf die B3 mit meinem letzten Tropfen Benzin. Der Rest war Standard. Hamburg war wieder voller Menschen, Autos, armen Seelen, die nicht cruisen.


Sonntag, 12. Mai 2019

Klarheit.

Sonntag war die Luft das entscheidende Grad wärmer und die Köpfe klarer. Heute fuhr Anja die Mash, mit viel Braaab!, Ich fuhr die Vulcan und war cool. Wir rollten mit Rückenwind die Deichstraße entlang und fuhren beim Zollenspieker vor. Dort parkten massenweise Harleys und die Wurstschlange war mehrere Kilometer lang. Wir holten Cappuccino und warteten, dass uns jemand auf unsere Boliden ansprach. Passierte natürlich nicht. Ab da verlief die Route so ähnlich wie gestern, nur dass diesmal alles fluffig war, es uns nichts ausmachte, dass die Straße zum Adele gesperrt war, und dass der eisige Nordwest auf der Rückfahrt mörderisch war. Der wurde zurück in Hamburg sogar noch krasser. Und trotzdem gaben wir noch kurz Gas, kurvten im laserharten Licht auf die Dradenau und guckten Schiffe, wie alle anderen auch.

Samstag, 11. Mai 2019

Charakter

Die Duc und die Mash zusammen unterwegs, das gab es noch nie, und wer weiß wie lange noch. Eiskalte Hartsonne begleitete uns durch den Maisamstag, an dem wir eine gewisse Mattheit nie ganz abschütteln konnten. Dennoch, das Fahren ging leicht von der Hand, ich fuhr die Mash, und zwar mit Genuss und meist Schmackes. Ich dachte, man könnte einen intuitiven Bogen durch die Nordheide fahren, einfach so. Leider führte ich uns auf einer eher öden Route durch Orte wir Jesteburg oder die grellen Randgebiete Buchholz', ein Stück westlich von Welle durch das ebensowenig sehenswerte Hollenstedt sowie unzählige weitere nicht nennbare Orte. Wir denken, das lag an vielleicht auch ein Stück weit der Mash, die sich charakterlich immer in den Mittelpunkt stellte, oder an dem Wolkenteppich, der gleich südlich begann. Seit der Reparatur der Duc waren Zweifel geblieben, deshalb testeten wir unterwegs den Verbrauch: 4 Liter. Mash 3. Alles normal. Trotz Thermowäsche waren wir am Ende total durchgefroeren und hatten Rücken. Mitte Mai! Die Sonne strahlte in aller Härte bis in die Nacht hinein.

Sonntag, 28. April 2019

Braaab.

Die Vanvan brummte mit 80 Sachen die B75 entlang. Es war ihre letzte Fahrt unter meiner Herrschaft. Im Rückspiegel folgte Anja geduldig. Reinfeld kam, dann Rapsfelder und Frühlingsgrün, schließlich Strukdorf, wo wir Götz trafen, den neuen Besitzer. Nach der Schlüsselübergabe blieb noch Zeit für einen halben Kaffee, wir wollten schnell Lübeck, um die Mash abzuholen. Zu unserer Überraschung trafen wir dort Horst an, der uns die ersten 20 Kilometer mit der NC eskortierte. Ich fuhr zuerst die Mash. Das ging sehr entspannt und gar nicht so bummelig wie man denkt. An der Tanke in der Nähe von Kastorf holten wir drei Eis und bewunderten unseren Fuhrpark. Die Mash und die Sixty-Two standen nebeneinander und sahen eigentlich recht ähnlich aus. aber auf der Straße war der Unterschied in etwa wie ein Bleistift gegenüber Windows 10. Den Rest fuhr Anja die den Bleistift, und ich die Duc. Manchmal ließ ich mich von ihr überholen, nur um nochmal das Braaab zu hören.
Am Sonntag verzog sich gegen Spätnachmitttag das Regengebiet. Anja hatte zu tun, ich machte noch eine ausgiebige Testfahrt mit der Mash. Durchs Hafengebiet, ein Stück am Deich entlang bis Stelle, einen schönen Bogen durchs grün flirrende Hinterland. Wie sie unaufgeregt auf Landstraßen dahinbrummt fand ich klasse, genau wie die trennscheibenartige Kurvenlage. Und das Braaab. Reichlich durchgefroren kam wieder zurück.

Montag, 22. April 2019

Essen auf Rädern

Ostern Off-Topic - Hochsommer in Deutschland. Die Maschinen standen geputzt und betankt in der Garage. Wir saßen im FlixTrain auf unserem Weg nach Essen. Dort begann eine nie dagewesene Expedition: Auf NextBike Mietfahrrädern 3 Tage durchs Ruhrgebiet. Das war im Vorfeld nicht leicht zu verargumentieren, war aber wir wollten das so. Näher kommt keiner an die Realität ran, z.B. wenn man sich von Oberhausen nach Mülheim durch Arabische Straßenzüge vorarbeitet, auf ehemaligen Industriebahndämmen über die Dächer endloser Kleinmannträume schwebt, zum Alkoholfreien in den Biergarten oder durch die Fußgängerzone beim Hotel vorrollt. Alles im T-Shirt, unendlich leicht und nach kurzer Zeit mit Sonnenbrand. Meinen NextBike Cruiser hatte ich schon richtig liebgewonnen und zwischendurch gar nicht entmietet. wir waren damit die defacto Uncoolsten auf der gesamten Erzbahntrasse (und fanden das natürlich erst recht cool). Am Ende waren wir voller Eindrücke. Wir sahen strukturgewandelte Kulturindustrie, künstliche Neusiedlungen, hier und da noch den Prahl vergangener Zeiten, zwischendurch ein Rapsfeld. Alles in allem ein krasser, hipsterfreier Urbanitätsmix aus Istanbul und Wandsbek-Gartenstadt.


Samstag, 6. April 2019

Mashed

Während sich draußen ein greller Frühlingstag entwickelte, stand die SixtyTwo im Dunkel der Tiefgarage und wartete auf ihren nächsten Werkstatttermin. Anja saß auf dem Rücksitz der Vulcan S, die ich mit atemberaubender Geschwindigkeit auf der BAB 1 nach Lübeck trieb. In Nullkommanix rollten wir beim örtlichen Ducatihändler auf den Hof. Dort war gerade ein Bikerfest und es gab viele funktionierende Ducatis. Was uns aber eigentlich dort hin gezogen hatte, war eine schicke gebrauchte Mash Scrambler 400, die wir testen durften. Ich fuhr ein Stück aus der Stadt raus, Richtung Reinfeld, dann wieder zurück. Sie lief locker und brummig. das Ganze war sehr entspannt und man fühlte sich irgendwie von jeglichem Stress nicht betroffen. Anja drehte damit noch einige Runden zwischen den Lagerhallen und bestätigte alles. Ich blätterte ein paar Scheine auf den Tresen und nahm die Papiere mit. Mit der Vulcan fuhren wir noch auf einem schönen Bogen auf einen Kaffee nach Strukdorf. Dort wollte man alles wissen. Es war wie ein Sommernachmittag und wir cruisten genüsslich über Segeberg auf der B206, dann die traumhaften Alleen Schmalfeld, Kaltenkirchen, Alveslohe, Quickborn. Anja beklagte sich am Ende über den Rücksitz der Vulcan. Im Gedanken fuhr sie trotzdem noch eine Runde mit der  Mash .

Samstag, 30. März 2019

Die Tiefe des Raumes

Das Winterfutter war noch drin, total unnötig. Satter Rückenwind schob uns über die Autobahn in einen echten 2019er Frühlingstag. Geesthacht, Lauenburg in milder Märzsonne, schließlich der Ausgang nach McPom. Das war lange her. Bei einem Pappbecherkaffee bewunderten wir die Authentizität der Tankstellenszene Boizenburgs. Dann war da die B195 und wir ließen die Maschinen rollen, endlich 90 Sachen und keine Fragen mehr. Niemand war auf der Straße außer uns, nur euphorisch grüßende Biker und der milde Luftstrom von vorn. Durch kahle Wälder glitt der Blick über die Weiten der Elbauen, abseits der heute filmreif schwingenden Straße am Geestrand.. Immer tiefer drangen wir in den gewaltigen, leeren Raum ein. Als wir am Deich saßen, irgendwo am Ende des Universums, stand die Zeit eine Weile still. Dann fielen uns die noch zu kochenden Rinderrouladen ein, die Gäste, und die ganze Realität. Leider auch, dass Anjas Duc nach wie vor nicht rund lief und dabei einen Tank nach dem anderen leersaugte. Der Rückweg ging schnell  Wir brauchten was zu Essen und neue Ideen.

Donnerstag, 28. Februar 2019

Das richtige Feeling

Der Pilot bekam schwitzige Hände beim Anflug und machte uns auf alle Eventualitäten gefasst. Das ging dann zwar doch noch alles glatt, aber die Wetterlage auf Madeira war definitiv verdreht. Für uns war das dufte, denn welchen Kurs wir auch immer nahmen mit unseren Mietmaschinen, die Sonne schien auch da, wo normalerweise z.B. nasskalter Nebelwald hingehört, auf der Hochebene, oder wo es rau stürmen müsste, im Norden. Jeden Tag erkundeten wir eine andere Region des Mikrokontinents. Da die Touristen gut in den Abspeiserestaurants der Städte gebunden waren, blieben wir auf den kurvigen und ungeheuer steilen Bergstraßen meist vollkommen allein. Optimal für die Benelli 300 mit ihrem faden Bauernmotor und Anjas kernige Mash Two Fifty mit suizidösen Stollenreifen. Nach zwei Tagen hatten wir einen Sonnenbrand und das richtige Feeling für die Insel, die Straßen, die Bikes, Bolo do Caco und Prego Normal. Wir wussten, wann die Aida ablegt und wo im Supermarkt der beste Wein steht. Trotzdem gab es überall Überraschungen: Monsterwellen, die sich über den Parkplatz brechen, Feuer in Funchal und Offroad-Tunnel für Fortgeschrittene. Am Ende war alles stets in trocknen Tüchern und wir betrachteten die Dinge sehr lässig, aus der Abgehobenheit einer Dachterrasse. 

Sonntag, 17. Februar 2019

Tatsachen

Der Sonntag war noch besser. Anja war da, die Vulcan war aufgeladen, aber die Duc ging wieder aus. Was Anja blieb, war: Ansprüche anpassen an die Realität. In anderen Worten: Die Vanvan anorgeln (die läuft immer) und sich auf die schönen Dinge zu fokussieren. Davon gab es reichlich. Allein die Tatsache, mitten im Februar ganztägig durch die Sonne zu cruisen machte alles egal. Wir fuhren größtenteils meine Route von gestern nach. Das war auch für mich interessant. Auf der Vulcan nahm ich Kurven war, die gestern nicht vorhanden waren. Andererseits hatte ich überhaupt keine Probleme, mich Anjas Vanvan-Tempo unterzuordnen. Wir fuhren unbekannte Strecken, nicht weit hinter Harburg, und jede war eine unvergleichliche Panoramastraße. Orte wie Holm-Seppensen oder Trelde wurden Traumstädte. Es dauerte allerdings eine Weile, bis wir endlich eine geöffnete Tanke mit Cappuccinoautomat fanden, das war irgendwo westlich von Welle im Nichts. Zurück kamen wir über die B75 nach Buchholz. Es war noch hell in der Stadt und die Menschen liefen im T-Shirt rum.

Samstag, 16. Februar 2019

Geräusche

Klack-Brrrt war das beschissenste Geräusch was man sich überhaupt vorstellen konnte an diesem unfassbar vorfrühlingshaften Februartag. Es war aber auch das Einzige, was der Vulcan zu entlocken war. Die Sixty-2 stand gleich daneben. Die sprang an. Anja war nicht da. Ich fuhr los. Es ging erst behutsam auf die Dradenau, dann durch unentdeckte Ecken Wilhelmsburg, dann raus in die weite Welt. ich konnte es nicht richtig begreifen, auf freier Landstraße durch die Nordheide zu brettern, ohne zu frieren, einsam lange, lichte Waldgeraden entlang, und jede Kurve so schräg es ging. Die Sonne hing gelb und schräg am Himmel. Die Duc lief nur unter Last gut. Das ist natürlich ein Stück weit so konzipiert, aber irgendwas stimmte eindeutig nicht in Teillast. Um sicher zu gehen (und weil es geil war), donnerte ich zurück auf der Autobahn. Ich holte noch Abendbrot und stellte sie wieder in die Garage.

Samstag, 9. Februar 2019

Auf Knopfdruck

Im Vorfeld dieses Februarwochenendes sprach Anja große Worte. Im Winter sind 8 Grad mild. Letztlich wurde es ein stürmischer Samstag mit Schauerfronten und ich fuhr allein. Immerhin: So durfte ich die Sixty-Two ausfahren. Sie sprang auf Knopfdruck an, und brauchte wieder eine Weile, um rund zu laufen (am besten bei Volllast). Das Fahren war ein großer Genuss. Ich kurvte die üblichen Strecken entlang, durch den Hafen und stand in dramatischer Gewittersonne auf der Dradenau. Eine der Wolkenwalzen aus  Südwest kam verdächtig nahe. Vielleicht war es so gewollt, dass ich ein Feuerzeug kaufen musste, jedenfalls fing es an zu schütten, als ich auf der Truckertankstelle bei der Aluminiumfabrik vorfuhr. Ich trank Kaffee und schaute aus dem Fenster. Der Schauer verzog sich wie ein Sommerregen, ich fuhr durch den Elbtunnel nach Hause, um keine nassen Füße zu kriegen.